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Christine Sun Kim
17.2. – 16.4.2023

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Christine Sun Kim, Alphabet From the Speller's Point of View, 2019, Kohle und Ölpastell auf Papier, 125 x 125 cm, Courtesy die Künstlerin und François Ghebaly Gallery, Foto: Peter Harris Studio

Christine Sun Kims Kunst ist voller Rhythmus und Dynamik. Ob kleinformatige Zeichnungen oder raumfüllende Wandzeichnungen, ob Internet-Memes, Textbotschaften im öffentlichen Raum oder Spruchbanner, die von Flugzeugen über den Himmel gezogen werden: Die Arbeiten sprühen vor Energie und scheinen die Beengung und Beschränkungen ihres Raumes sprengen zu wollen. Ihre Zeichnungen sind grafisch und reduziert und können im Wesentlichen in zwei Kategorien unterteilt werden: Eine lehnt sich an Infografiken an, die andere an das formale Repertoire von Comics, vor allem Speedlines (Bewegungslinien) und Sprechblasen.

 

Sprache, Sound, Körper, Identität und Diaspora, Übersetzung, Hierarchisierung, Ausschlussprinzipien und gesellschaftliche Normen sind einige der wesentlichen Themen, denen sich die Künstlerin in ihrem formal vielfältigen Werk widmet. In vielen ihrer Arbeiten teilt sie dem Publikum mit, wie es sich anfühlt, von der Mehrheitsgesellschaft der Hörenden strukturell und systematisch ausgeschlossen zu werden; immer den Regeln der anderen ausgesetzt zu sein und sich viele Möglichkeiten erst erkämpfen zu müssen. Sie hält uns einen Spiegel vor und öffnet Räume der Reflexion und Kritik.

 

Die Gebärdensprache als Zeichensystem und Kommunikationsform ist ein konstantes formales und ästhetisches wie inhaltliches Thema. In den Arbeiten der letzten Jahre hat Kim zunehmend eine Verbindung zwischen Notationssystemen, wie sie in Musik und Tanz verwendet werden, und der grafischen Darstellung von Gebärdensprache hergestellt. Gebärdensprache ist durch die Inklusion vieler Körperteile dynamisch, expressiv. Diese Merkmale setzt sie in ihren Arbeiten und Lecture Performances durchaus bewusst ein; „schön zu gebärden“ beschreibt sie in ihrer Jugend als ein Ziel, als Teil ihrer „tauben Identität“.

 

Neben den ästhetischen Aspekten anderer als auditiver Kommunikationsformen legt Kim den Fokus auf Übersetzungsprozesse und all ihre Facetten. Sprache, gesprochene wie gebärdete, ist nie starr und unveränderlich, sondern fluide und ständig im Wandel.

 

Kims Kunst ist durchaus politisch: Als eine der wenigen international renommierten Künstler:innen kämpft sie für die Sichtbarkeit von Tauben, insbesondere asiatischer Herkunft und von Frauen im Besonderen.

 

Christine Sun Kim, geboren 1980 in Los Angeles, hat amerikanisch-koreanische Wurzeln. Sie lebt und arbeitet derzeit in Berlin.




Künstler*innen
Christine Sun Kim
Programmiert vom Vorstand der Secession

Kuratiert von
Bettina Spörr

Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07