Secession Podcast Artists: Onyeka Igwe im Gespräch mit Jeanette Pacher
Die britisch-nigerianische Künstlerin, Filmemacherin und Akademikerin Onyeka Igwe spricht mit der Kuratorin Jeanette Pacher über ihr Projekt No Archive Can Restore this Chorus of (Diasporic) Shame (2024/26), das auch als Titel ihrer Einzelausstellung fungiert. Sie sprechen über Igwes Interesse an Sound – insbesondere an Protestliedern –, ihre Begeisterung für das Sacred-Harp-Singen, die Dreharbeiten in der verlassenen Nigerian Film Unit in Lagos sowie ihre prozesshafte künstlerische Praxis. Das Gespräch wurde am 11. Juni 2026 in der Secession aufgezeichnet.
No Archive Can Restore this Chorus of (Diasporic) Shame
In der Ausstellung werden zwei Videoarbeiten gezeigt, die eng miteinander verwoben sind. Die Arbeiten zeichnen die Nachwirkungen des britischen Kolonialismus in Nigeria anhand der verlassenen Niederlassung der ehemaligen Nigerian Film Unit in Lagos nach – einst eine wichtige Zweigstelle des Propagandaapparats der Colonial Film Unit. Das Gebäude ist heute verfallen. Das Bildmaterial, das dort aufbewahrt wurde, ist schwer zugänglich – nicht nur wegen dessen materiellen Zersetzung, sondern auch wegen eines allgemeinen Widerwillens, sich mit dessen Inhalten auseinanderzusetzen. Das an der Fensterfront präsentierte Bewegtbild fügt sich in die Architektur der Institution und das städtische Umfeld ein und verortet so sein Klang- und Bildfeld in den spezifischen Bedingungen seiner Präsentation. Mehr dazu
Onyeka Igwe ist eine in London geborene und lebende Filmemacherin und Akademikerin. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage: Wie leben wir zusammen? Dabei geht es ihr weniger darum, eine eindeutige Antwort zu geben, sondern vielmehr darum, die Nuancen von Gegenseitigkeit und Koexistenz in einer zutiefst individualisierten Welt offenzulegen. Onyeka Igwes Praxis versteht sensorische, räumliche und gegen-hegemoniale Formen des Wissens als zentral für diese Auseinandersetzung. Körper, Archive sowie mündliche und schriftliche Erzählungen dienen ihr dabei als Formen der Recherche, durch die verdrängte oder übersehene Geschichten sichtbar werden können. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch das Entwirren von Strängen und Verflechtungen aus, getragen von einem rhythmischen Schnittstil sowie einer präzisen Aufmerksamkeit für die Dissonanzen, Spiegelungen und Verstärkungen, die zwischen Bild und Ton entstehen.
Zu ihren Einzelausstellungen zählen unter anderem our generous mother in der Tate Britain, London (2025), history is a living weapon in yr hand in der Bonington Gallery und bei Peer, Großbritannien (2024), A Repertoire of Protest (No Dance, No Palaver) im MoMA PS1, New York (2023), The Miracle on George Green auf der The High Line, New York (2022), a so-called archive bei LUX, London, sowie THE REAL STORY IS WHAT'S IN THAT ROOM bei Mercer Union, Toronto (beide 2021). 2018 zeigte sie gemeinsam mit Aliya Pabani die Ausstellung Corrections bei Trinity Square Video in Toronto.
Onyeka Igwe erhielt gemeinsam den Film London Jarman Award 2025. Zudem wurde sie mit dem Foundwork Artist Prize (2021) sowie dem Arts Foundation Futures Award für experimentellen Kurzfilm (2020) ausgezeichnet und war 2019 Preisträgerin des Berwick New Cinema Award. Ihre Videoarbeiten werden international auf Filmfestivals gezeigt.
Jeanette Pacher ist seit 2007 Kuratorin an der Secession. Darüber hinaus ist sie Lehrbeauftragte in der Abteilung für Ortsbezogene Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien, Mitglied des BIG ART Fachbeirats und war von 2023 bis 2025 Mitglied der Jury für KÖR – Kunst im öffentlichen Raum Wien.
Das Dorotheum ist exklusiver Sponsor des Secession-Podcasts.
Programmiert vom Vorstand der Secession
Jingle: Hui Ye mit einem Auszug aus Combat of dreams für Streichquartett und Audio-Feed
(2016, Christine Lavant Quartett) von Alexander J. Eberhard
Schnitt: Paul Macheck
Produktion: Jeanette Pacher
Onyeka Igwe, Foto: Kwame Dapa