Close
Previous Next
Zoom in Zoom out

Secession Podcast Artists: Marianna Simnett im Gespräch mit Bettina Spörr

Marianna Simnett gibt Einblicke in ihr konzeptuelles Denken und den kreativen Entstehungsprozess ihrer Ausstellung Circus in der Secession, einer multimedialen Ausstellung, die Licht, Klang und skulpturale Arbeiten vereinte, die auf ihr jugoslawisches Erbe Bezug nehmen. Diese Episode wurde am 6. März 2026, am Tag nach der Eröffnung, aufgezeichnet.

Marianna Simnett 

Circus 

6.3. – 31.5.2026

Persönliche Bezüge, darunter eine von den Erfahrungen ihres jüdisch-kroatischen Großvaters während des Holocaust inspirierte Arbeit, begegnen Anspielungen auf weibliche Gestalten aus Volkssagen, die sowohl als Bedrohung als auch als Verbündete auftreten können, und dem traditionellen Trachtenrock vom Balkan, der das zarte Spiel des Enthüllens und Verbergens intimer Körperteile inszeniert. Der in der Ausstellung thematisierte Circus kommt in der Präsentation auf vielfältige Weise zum Ausdruck: im manischen Kreisen eines Rocks unter der Decke, der an ein Zirkuszelt erinnert, in einer Bühne für eine Performance, im Klang gequälten Gelächters oder in blendenden Lichtern, die einen abgedunkelten Raum erhellen.

Simnetts Praxis befasst sich konsequent mit intensiven körperlichen Zuständen – Urinieren, Ohnmacht, dem Gefühl, gekitzelt zu werden –, die sie in einer Untersuchung von Lust und Schmerz erkundet. Die Künstlerin, die während der Jugoslawienkriege als Tochter einer kroatischen Mutter in Großbritannien aufwuchs, erinnert sich an eine wiederkehrende Fantasie: eine urinierende Figur mit Ähnlichkeiten zu einer Frauengestalt aus der Folklore, die ihren Rock hebt, um ihre Genitalien zu entblößen und so böse Geister abzuwehren. In Neonlicht umgesetzt, oszilliert sie zwischen Provokation und Verteidigung, zwischen Abscheulichkeit und Handlungsmacht. Neon leuchtet nicht nur, es dringt ein. Es schreit, verlangt Aufmerksamkeit und hebt Distanz auf. In Anlehnung an das Erbe von Bruce Naumans Neonarbeiten wird in Simnetts Fountain (2026) Licht zu einem eigenständigen Körper – einem, der die Betrachtenden anspricht, aufwühlt und physisch in Beschlag nimmt. Mehr erfahren

Marianna Simnett (geb. 1986) ist eine britisch-kroatische multi-disziplinäre Künstlerin, die zwischen Berlin und New York lebt und arbeitet. Ihre immersiven Erzählungen kreisen um sich überlagernde und mitunter widersprüchliche Themen wie Verletzlichkeit, Autonomie, Kontrolle, Schmerz, Metamorphose und Fürsorge.

Simnetts Arbeiten wurden international in Einzelausstellungen gezeigt, unter anderem in der Secession, Wien (2026); im Max-Ernst-Museum, Brühl (2026); bei Société, Berlin (2025, 2022); im Hamburger Bahnhof, Berlin (2024); bei LAS, Berlin (2023); im Institute of Modern Art, Brisbane (2019); in der Kunsthalle Zürich (2019); im MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt (2018); im New Museum, New York (2018) sowie in der Zabludowicz Collection, London (2018). Zu den ausgewählten Gruppenausstellungen zählen Chrysalis: The Butterfly Dream, Centre d’Art Contemporain Genève (2023); die 59. Biennale von Venedig: The Milk of Dreams (2022); Espressioni: The Epilogue, Castello di Rivoli, Turin (2022); sowie der Preis der Böttcherstraße, Kunsthalle Bremen (2022).

Bettina Spörr ist Kunsthistorikerin und seit 2008 Kuratorin an der Secession und hat in dieser Zeit in enger Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Kollektiven aller Generationen und von allen Kontinenten mehr als 60 Einzelausstellungen entwickelt, unter anderem mit Laura Owens, Francis Alÿs, Nicole Eisenman, Ed Ruscha, Lawrence Abu Hamdan, Dominique Gonzales-Foerster, Carlos Bunga, Christine Sun Kim, Karrabing Film Collective, Delaine Le Bas, Susana Pilar Delahante Matienzo, Francis Offman, June Crespo, Marianna Simnett und Katherine Hubbard.

Programmiert vom Vorstand der Secession

Das Dorotheum ist exklusiver Sponsor des Secession-Podcasts.

Jingle: Hui Ye mit einem Auszug aus Combat of dreams für Streichquartett und Audio-Feed 

(2016, Christine Lavant Quartett) von Alexander J. Eberhard

Schnitt: Paul Macheck

Produktion: Bettina Spörr



Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07