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/Secession Podcast Artists: Cevdet Erek im Gespräch mit Bettina Spörr

Kurz vor der Eröffnung seiner Ausstellung am 28. November 2026 spricht Cevdet Erek mit der Kuratorin Bettina Spörr über diese und die Soundinstallation an der Fassade der Secession.

 

Cevdet Erek

Secessions-Ornamentik 

29.11.2025 – 22.2.2026

 

Einige von Cevdet Ereks ortsspezifischen Installationen und Klangumgebungen, die sich an der Schnittstelle von Sound, Skulptur und Architektur bewegen, drehen sich um die Idee der „Klangornamentik“. Mit dieser Begrifflichkeit bezieht sich der Künstler unter anderem auf Adolf Loos‘ Ornament und Verbrechen (1908). Dieser Text pries den Verzicht auf Ornamentik als Kennzeichen einer „kultivierten“ Gesellschaft. Loos' Polemik ist der Schlüssel zu jenem moralisierenden Diskurs, der einst im Namen des Fortschritts danach strebte, Architektur von jeglicher Dekoration zu befreien. In diesem Kontext wurde Ornament – assoziiert mit Sinnlichkeit, Weiblichkeit und Exzess – als verschwenderisch und irrational verurteilt. Loos‘ Text verknüpfte das Ornament mit Primitivismus und Degeneration und stellte die moderne westliche Kultur als überlegen gegenüber der vermeintlich „unterentwickelten“ dar. Eine solche Rhetorik marginalisierte nicht nur die enge Beziehung zwischen Ornamentik und Abstraktion, sondern legte auch die kolonialistischen und patriarchalen Logiken offen, die der modernistischen Ästhetik zugrunde liegen.

 

Erek betritt dieses ideologische Terrain erneut und verwandelt die Ornamente einer vermeintlich dekorativen Oberfläche in temporäre, vibrierende Strukturen, die Raum und Wahrnehmung organisieren. verwandelt die Ornamente einer vermeintlich dekorativen Oberfläche in temporäre, vibrierende Strukturen, die Raum und Wahrnehmung organisieren. Hier ist Klang nicht Hintergrund, sondern Architektur selbst – etwas Gebautes, Bewohntes und durch sich bewegende Körper Erfahrbares. Dabei wird Ornamentik zu einem Verb: Sie beschreibt den Akt des Einstimmens und des Sich-Ausrichtens auf die umgebenden Frequenzen. Durch die eigene Aufmerksamkeit wird die Besucher*in selbst Teil der Komposition. Auf diese Weise lösen Ereks Installationen die Grenzen zwischen Komponist*in und Zuhörer*in, zwischen Architektur und den in ihr Anwesenden auf. Mehr

 

Cevdet Erek wurde 1974 in Istanbul geboren, wo er lebt und arbeitet. Neben der Entwicklung ortsspezifischer Soundinstallationen ist seine Arbeit in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen gewesen, u.a. Museumsquartier, Wien; Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin; Art Institute of Chicago; M HKA – Museum of Contemporary Art, Antwerp; MUAC Museo Universitario de Arte Contemporáneo, Mexico City; Türkei Pavillon, 57. Venedig Biennale; Spike Island, Bristol; Kunsthalle Basel, Basel; Liverpool Biennial, Liverpool; 36. Bienal de São Paulo (beide 2025); Manifesta 14, Pristina (2022); Gropius Bau, Berlin; SFMOMA, San Francisco; Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main; 5. Marrakech Biennale (2014); Palais de Tokyo, Paris; Sharjah Biennial 11 (2013); 9th Gwangju Biennale (2012); CCA Wattis Institute for Contemporary Arts, San Francisco; dOCUMENTA 13, Kassel (2012); 12. Istanbul Biennial (2011); Tate Modern, London.

 

Bettina Spörr ist seit 2008 Kuratorin an der Secession, wo sie in enger Zusammenarbeit mit Künstler*innen Ausstellungen konzipiert und realisiert, die die tiefgreifende Wirkung zeitgenössischer Kunst auf die Gesellschaft erkunden. Sie arbeitete mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern an Einzelausstellungen und kuratierte 2010 die Gruppenausstellung where do we go from here? in der Secession.

 

Das Dorotheum ist exklusiver Sponsor des Secession Podcasts.

Programmiert vom Vorstand der Secession.

 

Jingle: Hui Ye mit einem Ausschnitt aus Combat of dreams für Streichquartett und Zuspielung (2016, Christine Lavant Quartett) von Alexander J. Eberhard

Schnitt: Paul Macheck

Produktion: Bettina Spörr 



Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07