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Svenja Deininger
Echo of a Mirror Fragment
2.2. – 26.3.2017

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Svenja Deininger, Echo of a Mirror Fragment, Ausstellungsansicht, Secession 2017, Foto: Markus Wörgötter

Svenja Deininger versteht Malerei als Prozess: Ihre Bilder, an denen sie oft über lange Zeiträume arbeitet, betrachtet sie nicht als abgeschlossene Einheiten. Vielmehr dient ihr die Bildwerdung selbst zum Nachdenken und als gedankliche Weiterführung einer Form oder Komposition – das Imaginieren des zukünftigen Bildes und wie es in einem räumlichen Kontext steht, sind somit essenzielle Elemente des künstlerischen Prozesses. Wie an einem Text feilt die Künstlerin an der Sprache ihrer Kunst. Ihre Arbeiten versteht sie als Teile eines Systems, deren Beziehung zueinander es zu untersuchen gilt, wenn sie aufeinander treffen. Sie variiert wechselweise kleine und große Formate und erzeugt durch deren Kombination und Anordnung im Raum eine Spannung, die zusammen mit ihrer Formenpalette ein „Deiningersches Idiom“ ergeben.

 

Für ihre Ausstellung Echo of a Mirror Fragment im Hauptraum der Secession hat Svenja Deininger eine gut 40 Arbeiten umfassende neue Werkserie geschaffen. Als Anregung diente ihr die Architektur des Secessionsgebäudes: Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist das eigentümliche Spannungsverhältnis zwischen der mit floralen Ornamenten gestalteten Fassade und dem mit seinen klaren Linien überraschend streng gegliederten Ausstellungsraum. Folglich treffen in ihren neuen Bildern gerade Linien oft auf runde Formen wie ein Spiel von geometrisch-abstrakter Linienführung mit mitunter architektonischen Reminiszenzen und organisch anmutenden Wellenlinien und Kurven, die als Andeutung einer zumindest fragmentarischen Figuration gelesen werden können.

 

Mit zwei Arbeiten nimmt die Künstlerin direkt Bezug zur Architektur – konkret zu einem mittlerweile verloren gegangenen und wohl weitgehend vergessenen Detail. Zwei außergewöhnlich kreisrund geformte kleine Malereien erinnern in Form und Platzierung an zwei runde Fenster an der Eingangswand des Hauptraums, die im Zuge der Generalsanierung der Secession 1985/86 als Gestaltungsmittel dort angebracht worden waren, aber nur wenige Jahre später wieder verschwanden.

Aber auch die strenge Symmetrie des Gebäudes, insbesondere der Grundriss des Ausstellungsraums mit seinen beiden Seitenschiffen, inspirierte Deininger, eine Reihe von „Spiegelbildern“ zu malen: Das Grundmuster eines Bildes wird in einem anderen kopfüber dargestellt, oder seitenverkehrt, beispielsweise. Zusammen mit der jeweils individuellen Farbgebung und Oberflächenbehandlung ergibt sich eine frische Lesart des durchgespielten Musters und damit eine von der Künstlerin gewollte und bewusst erzeugte Wechselwirkung der Bilder. Die von Deininger entworfene Ausstellungsarchitektur mit zwei schmalen Öffnungen zu den Seitenschiffen unterstreicht mit der inszenierten Blickführung diese Intention. Wie in früheren Arbeiten, spielt die Künstlerin auch hier verschiedene Bildkompositionen und Formgebungen in unterschiedlichen Formaten durch. Großformatige Bilder erweisen sich da mitunter als rangezoomtes Detail aus einem sehr kleinformatigen Bild und umgekehrt. Es ergeben sich aber auch im freien Spiel der Verbindungen verschiedener Formen wie ihrer Aussparungen – dem eigentlichen Augenmerk auf das Nicht-Dargestellte in und zwischen den Bildern – immer wieder neue Perspektiven.

 

Charakteristisch für Deiningers Arbeiten, die zwischen Abstraktion und – zumindest angedeuteter – Gegenständlichkeit balancieren, ist zum einen ihre eigenwillige Bildkomposition zum anderen der spezielle Bildaufbau, den die Künstlerin in mehreren Schichten anlegt. Die Arbeitsweise kommt ihrem Interesse entgegen, auf der flachen Leinwand Räumlichkeit oder eine gewisse Stofflichkeit zu behaupten, die stets in der Schwebe zwischen einem Konkretwerden und Unbestimmtsein bleibt.

 

Durch das wechselweise Auf- und wieder Abtragen mehrerer Grundierungs- und Farbschichten erscheinen Formen und Linien unterschiedlich präsent auf der Bildoberfläche – das Davor und Dahinter scheint in ständiger Bewegung zu sein. In einem aufwändigen Arbeitsprozess entfernt oder reduziert die Künstlerin stellenweise die aufgetragene, trockene Farbe durch mehrmaliges Schleifen oder Abbeizen, um danach, deckend oder transluzent, neue Schichten an Farbe aufzutragen. In vielen Bildern bleiben Teile der Leinwand frei von Farbauftrag. So thematisiert Deininger den Malgrund selbst als kompositorisches Mittel, Farbe und Beschaffenheit des Textils kommen als Gestaltungselemente zum Tragen. In der gedeckten sowie reduzierten Farbpalette ist vor allem Weiß in vielen verschiedenen Schattierungen tonangebend. Feine Farbverläufe kontrastiert die Künstlerin mit betonten Linien und Rändern; dunkle, in Schatten getauchte Formen stellt sie neben strahlend-leuchtende Farbflächen.

Veranstaltungen



Künstler*innen
Svenja Deininger

geboren 1974 in Wien, lebt und arbeitet in Wien.

Programmiert vom Vorstand der Secession


Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07