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Gruppenausstellung
Die fünfte Säule
9.9. – 20.11.2011

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Die fünfte Säule, Ausstellungsansicht, Secession 2011, Foto: Wolfgang Thaler

An der Gruppenausstellung Die fünfte Säule beteiligen sich sieben internationale KünstlerInnen dreier Generationen, darunter Cerith Wyn Evans, der den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper für die Saison 2011/12 gestaltet, die spanische Künstlerin Dora Garcia, deren Pavillon “The Inadequate” auf der diesjährigen Biennale in Venedig widersprüchliche Meinungen hervorruft und Peter Downsbrough, amerikanischer Konzeptkünstler der ersten Generation, dessen Werk erst seit Kurzem die nötige Beachtung findet.

 

Mit dem bewusst enigmatischen Titel Die fünfte Säule bezieht sich der Kurator Moritz Küng auf die Gesamtrenovierung der Secession im Jahre 1985/86 – konkreter: auf die vom Architekten Adolf Krischanitz entworfenen vier zentralen Säulen des Hauptraums. Diese wurden damals in Chromstahlblech und Messing verkleidet. Die eigensinnige Präsenz dieses missverständlichen Otto Wagner-Zitats wurde aber bereits nach drei Jahren anlässlich der Ausstellung Das Spiel des Unsagbaren. Ludwig Wittgenstein (sic) verkleidet und dadurch neutralisiert. Seit 1991 blieben die vier Säulen weiß überstrichen, ihre prägnante Wirkung im Verborgenen.

 

Im Sinne von Krischanitz’ Renovierungskonzepts des “Rückbaus” lässt Küng die vier Säulen nun nach 20 Jahren in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Er greift damit nicht nur das Spiel der von Joseph Kosuth auf reziproke Art und Weise kuratierten Wittgenstein-Ausstellung wieder auf, sondern befragt grundsätzlich den “Neutralitätsstatus” des White Cube, für den die Secession international als Vorläufer gilt.

 

Der Akt der Wiederherstellung dieser architektonischen Bedingung beruht keineswegs auf einem romantischen Motiv. Vielmehr sollen anhand 24 großteils für die Ausstellung produzierter oder adaptierter Arbeiten, teils auf evidente, teils auf sehr kodierte Art und Weise die spezifischen Qualitäten des Ortes selbst – der Genius loci – dessen Geschichte, Architektur wie auch dessen Defizite wieder ins Bewusstsein gerufen werden. So resonieren die präsentierten Werke – Licht- und Soundinstallationen, Skulpturen, Objekte und Möbel, Wandmalereien, Künstlerbücher, Performance und Video – nicht nur die historische Kultur und Architektur des Hauses, sondern auch deren Mentalitäten untereinander.

 

Das Reflektieren von Ort, Werk und Geschichte kommt unter anderem in der Teilrekonstruktion der Arbeit ohne Titel(1995/2011) von Heimo Zobernig zum Ausdruck. Anlässlich seiner Personale 1995 ließ er mit dem von Krischanitz für die Secession entworfenen Wandsystem eine labyrinthartige Installation bauen. Diese basierte im Grundriss auf dem Entstehungsjahr und den Initialen des Künstlers: 95HZ. Für den inneren Zylinder der Ziffer 9, eigentlich ein Kubus, verwendete Zobernig aus Mangel an verfügbaren Stellwänden nur vier vertikale Metallstützen des modularen Wandsystems. In diese zog er vier neue, rohbelassene Spanplattenwände ein. Dieser Kubus wurde gemäss den bekannten Strategien des Künstlers zu einem autonomen Objekt der Installation. In der aktuellen Ausstellung steht dieser Kubus sechzehn Jahre später an exakt derselben Stelle wieder im Hauptraum, errichtet nun mit den vorhandenen Stellwänden aus dem Depot der Secession. Diese “neue” Skulptur inkorporiert und reflektiert neben der Geschichte der Institution auch jene des Künstlers selbst und ist nur ein Beispiel für die vielschichtigen Verwicklungen, welche diese Ausstellung bietet.

 

 

Was aber ist die “fünfte Säule”? Nicht zufällig ist sie im Ausstellungssujet, das auf einer historischen Aufnahme der Fotografin Margherita Spiluttini basiert, in vollem Glanz zu sehen; allerdings auf den zweiten Blick erst bemerkbar an einer Stelle, wo sie eigentlich nicht stehen kann. Der Schriftsteller Ferdinand Schmatz, der einen Text für den Katalog geschrieben hat, formuliert: “Schau, die Säule des Erkennens: Denk nicht, schau!” So gibt diese Ausstellung vielleicht mehr Anlass zum Sehen; zum Sehen einer neuen Gegenwart des Gebäudes, von Konservierung, Reparatur, Ergänzung und Adaptierung, letztendlich auch von einer Revision der Postmoderne.

 




Künstler*innen
Luz Broto

geboren 1982, lebt in Barcelona.
Peter Downsbrough, geboren 1940, lebt in Brüssel.

Peter Downsbrough

geboren 1940, lebt in Brüssel.

Dora García

geboren 1965 in Valladolid, lebt in Brüssel.

Arch. Adolf Krischanitz
Moritz Küng
Guillaume Leblon

geboren 1971, lebt in Paris.

Ferdinand Schmatz
Margherita Spiluttini
Joëlle Tuerlinckx

geboren 1958, lebt in Brüssel.
 

Cerith Wyn Evans

geboren 1958, lebt in London.

Heimo Zobernig
Programmiert vom Vorstand der Secession


Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07