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Utopian Pulse – Urgent Alternatives: Utopian Moments – Fassade.
20.2. – 2.11.2014

https://secession.at/items/uploads/images/1661851234_zwbaHxfVhzWc.jpg
Fluchthilfe und Du?, Installationsansicht, Secession 2014, Foto: Oliver Ottenschläger
Ein Forschungsprojekt von Ines Doujak und Oliver Ressler

In Zusammenarbeit mit einer Gruppe von internationalen Künstler-KuratorInnen

Während der Ausstellungszeit von Utopian Pulse – Flares in the Darkroom werden von September bis November 2014 im wöchentlichen Wechsel großformatige, von den Künstler-KuratorInnen entworfene Banner an der Fassade der Secession gezeigt.

Urgent Alternatives: Utopian Moments ist Teil des Projekts Utopian Pulse – Flares in the Darkroom. Im Vorfeld der Ausstellungsreihe werden von Februar bis September 2014 sieben großformatige Transparente an der Fassade der Secession präsentiert. Die Aufstände, Besetzungen und sozialen Bewegungen der letzten Jahre bilden die inhaltliche Klammer von Urgent Alternatives: Utopian Moments. Seit einiger Zeit lebt utopisches Denken mit vehementer Dringlichkeit wieder auf. Denn die Vorstellung, dass die Dinge einfach so weiterlaufen könnten wie bisher, ist wirklich Wunschdenken.

 

Salón de Belleza [Schönheitssalon]
22. Oktober – 02. November 2014
Banner gestaltet von Giuseppe Campuzano

Cuartos de Utopía [Räume der Utopie]
15. – 21. Oktober 2014
Banner gestaltet von Pedro G. Romero und Máquina P.H.

Salon DADADA
08. – 14. Oktober 2014
Banner gestaltet von AND AND AND

Salon Fluchthilfe
01. – 07. Oktober 2014
Bannergestaltung: Undrawing the Line, In The Shade of the Waq Waq Tree, kollektive Zeichnung mit Anaglyph-3D

Salon Orizzonti Occupati
24. – 30. September 2014
Banner gestaltet von Bert Theis

Salon-E-Girdbad [Salon des Wirbelwinds]
17. – 23. September 2014
Banner gestaltet von Mariam Ghani

Salon Public Happiness [Salon Öffentliches Glück]
10. – 16. September 2014
Banner gestaltet von Christoph Schäfer

Urgent Alternatives: Utopian Moments
Ein Kapitel von Utopian Pulse – Flares in the Darkroom

#7
Daniela Ortiz
El Espacio del Inmigrante

Der Espacio del Inmigrante ist ein besetztes Gebäude in Raval, einem Viertel in der Innenstadt von Barcelona, in dem Menschen unterkommen und Hilfe finden. Schwerpunkt der Arbeit des Sozialzentrums ist es, Räume für Debatten und aktive Mitwirkung von und für Menschen zu schaffen, deren Rechte durch Einwanderungsgesetze beschnitten werden. Außerdem werden grundlegende Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Rechtsberatung und Sprachkurse angeboten, wobei großer Wert auf Selbstbestimmung und zivilen Ungehorsam gelegt wird. Der Raum steht allen offen, die Filmvorführungen, Vorträge und andere Aktivitäten organisieren wollen, um zum gemeinsamen Kampf gegen Rassismus, Klassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit, Patriarchat und Bevormundung beizutragen.

Daniela Ortiz’ Arbeiten zielen auf die Schaffung von Spannungsfeldern ab, in denen Vorstellungen von Rasse, Klasse, Nationalität und Geschlecht einer Untersuchung unterzogen werden, um zu einem kritischen Verständnis gesellschaftlicher Ein- und Ausgrenzungsmechanismen zu gelangen. In den letzen Jahren entwickelte sie verschiedene Forschungsprojekte rund um häusliche Arbeitskräfte in Peru und die Einwanderungssteuerungssysteme in Europa und den Vereinigten Staaten. Viele ihrer Projekte entwickelte sie gemeinsam mit Xose Quiroga, mit dem sie auch das unabhängige Nachrichtenformat Antigonia.com herausgibt.

Daniela Ortiz wurde 1985 in Cuzco (Peru), geboren.

#6
Oreet Ashery
The World Is Flooding

In The World Is Flooding dient Majakowskis frei verwendbares Stück Mysterium Buffo*als Gerüst und Ausgangspunkt für kollektive Arbeiten, in denen die Figur des Eskimo zu einer Reihe von Rollen weiterentwickelt wird: der Whistleblower, der Bote, das unschuldige Kind, das früh beginnt, das System zu verstehen, und der Neuling, der erstmals eine ungewohnte Umgebung erlebt. Die Figur der Sintflut ergab sich als Symbol all dessen, was ‚zu viel’ ist: zu viel Gefühl, zu viele Anforderungen, zu viele Traumata; das rettende Boot pflegen leider die Privilegierten zu vereinnahmen.

Das Heft The World Is Flooding ist kostenlos und wird auf Anfrage an info@oreetashery.net zum Download als PDF bereitgestellt. Es wurde in Zusammenarbeit mit Freedom from Torture, UKLGIG, Portugal Prints und Tate Modern hergestellt.

Oreet Asherys künstlerische Praxis ist interdisziplinär, gesellschaftlich und politisch engagiert. Für ihre Arbeiten, die oft im öffentlichen Räum stattfinden, bezieht sie vielfach partizipatorische und interaktive Elemente ein. Oreet Ashery, geboren 1966 in Israel, lebt und arbeitet in London.

#5
Etcétera

Jede siegreiche Idee marschiert ihrem Untergang entgegen

Die erroristische Aktion B.A.N.G. fand in Buenos Aires im Rahmen der Demonstrationen statt, die den Jahrestag des Aufstands vom 19. – 20. Dezember 2001 feierten, der ein wichtiger utopischer Moment war.

Das Bild ist eine Metapher für die Unterbrechung des Kreislaufs aus sozialen Aufständen und Revolten und für den Beginn des sogenannten “Normalisierungsprozesses”. Dieser verlief in mehreren Stadien und unterwanderte den utopischen Charakter dessen, was 2001 entstanden war, als das Land in einer tiefer Repräsentationskrise steckte. Im Hintergrund sieht man die Casa Rosada zu sehen, den Sitz der argentinischen Regierung, der mit Zäunen gesichert und von Polizisten bewacht ist, während erroristische Zellen mit ihren Aktionen diese “Normalisierung” aufzeigen, und was sie bedeutet: vor allem die Anwendung eines Anti-Terror-Gesetzes zur Überwachung und Kriminalisierung der sozialen Proteste.

Das Kollektiv Etcétera, zu dem bildende Künstler, Dichter und Schauspieler gehören, wurde 1997 in Buenos Aires gegründet. Es trägt die Kunst dorthin, wo gesellschaftliche Konflikte aufbrechen – in die Straßen –, und bringt diese Auseinandersetzungen dann in den Arenen der kulturellen Produktion wie den Medien und Kunstinstitutionen zur Geltung.

#4
Nobodycorp. Internationale Unlimited

Mogok Nasional (General Strike)

Das Plakat beruht auf einer Reihe von Postern, die während des Generalstreiks des indonesischen Gewerkschaftsbunds 2013 geschaffen wurden. Die Gewerkschaft verlangte die Ablehnung von Niedriglöhnen, soziale Sicherungen für die Bevölkerung und ein Outsourcing-Verbot. Obwohl die Ziele des Streiks nicht erreicht wurden, kämpft die Gewerkschaft weiterhin für ihre Forderungen.

Nobodycorp. Internationale Unlimited wurde 1993 von dem Künstler und Aktivisten des Cultural Network (Jaringan Kerja Budaya) Alit Ambara in Jakarta ins Leben gerufen. Nobodycorp. steht als Marke hinter mehreren Werkgruppen, die aus Ideen, Diskussionen und Reflexionen des Cultural Network entstanden.

#3
Wealth of Negations

#2
Halil Altindere

Taksim Square, June 2013

Der Taksim-Platz ist das pulsierende Herz von Istanbul, der historische und kulturelle Mittelpunkt der Metropole, ein Treffpunkt für KünstlerInnen wie Einheimische. An jedem 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit, versammeln sich Hunderttausende auf dem Platz, um von hier mit wehenden Fahnen und Transparenten die Istiklal-Straße hinunterzumarschieren. Seit den 1970ern ist der Taksim-Platz eine Bühne für Demonstrationen aller Art, bei denen die leere Fassade des Kulturzentrums AKM mit Spruchbändern und Plakaten geschmückt wird. 1977 kam es hier zum Taksim-Massaker, bei dem gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen politischen Gruppierungen 34 Todesopfer und zahlreiche Verletzte forderten.

Am 31. Mai 2013 wurden mehrere Bäume im benachbarten Gezi-Park gefällt und Menschen, die friedlich dagegen protestierten, von der Polizei angegriffen. Daraufhin brachten die TeilnehmerInnen des Gezi-Protests ihre Spruchbänder gegen die Regierung und ihr Stadterneuerungsprojekt an der Fassade des AKM an. Der nahegelegene Stadtteil Sulukule, in dem seit sechs Jahrhunderten die Istanbuler Roma ansässig waren, fiel 2006 einem Großvorhaben zum Opfer. Jugendliche aus Sulukule, die ihre Hip-Hop-Gruppe Tahribad-ı Isyan (Rebellion oder Zerstörung) nannten, brachten die Wut, den Widerstand und die Hoffnungen nicht nur ihrer eigenen Bevölkerungsgruppe, sondern der IstanbulerInnen überhaupt zum Ausdruck. Auf diesem Foto sind ihre Lippen geschlossen, aber die Fassade des AKM spricht.

#1
Fluchthilfe & Du?

Fluchthilfe & Du thematisiert die Kritik am EU-Grenzregime und an dessen Migrationspolitik, welche von der selbstorganisierten Refugee-Protestbewegung in Wien aufgeworfen wurde. Formal bezieht sich das BannerFluchthilfe & Du? auf eine aktuelle Kampagne der Caritas, die mit einem Appell an Nächstenliebe Spenden sammelt, während sie sich gleichzeitig von den als “Schleppern” bezichtigten Menschen abgrenzt, die Flüchtlingen den Weg nach Österreich und zu einem Asylverfahren überhaupt erst ermöglicht haben. Fluchthilfe & Du begreift Fluchthilfe als Dienstleistung, als Kampf für Bewegungsfreiheit und wirbt öffentlich um Unterstützung.

Die Arbeit entstand in Solidarität mit denjenigen Aktivisten der Refugee-Bewegung, die unter dem Vorwurf, Teil einer internationalen Schlepperorganisation zu sein, seit Juli 2013 in Untersuchungshaft sind. Obwohl die Vorwürfe, dabei Millionen verdient und Menschen auf der Flucht in Gefahr gebracht zu haben, sofort widerlegt werden konnten, werden sie bis heute vom Innenministerium kriminalisiert.

Urgent Alternatives: Utopian Moments
Ein Kapitel von Utopian Pulse – Flares in the Darkroom
Eine künstlerische Forschung von Ines Doujak und Oliver Ressler
Gefördert vom Austrian Science Fund (FWF) AR 183-G21




Programmiert vom Vorstand der Secession

Kuratiert von
Oliver Ressler

Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07