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Martine Syms
Boon
12.4. – 16.6.2019

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Martine Syms, Boon, 2019, Ausstellungsansicht, Secession 2019, Foto: Peter Mochi, Courtesy the artist and Sadie Coles

Martine Syms untersucht in ihren Videos, Installationen und Performances die vielfältige Repräsentation Schwarzer im Verhältnis zu Populärkultur, feministischen Ansätzen und radikalen Traditionen. Ihre Arbeitsweise basiert auf Recherchen und bezieht theoretische Modelle zu performativen wie den Individuen aufgezwungenen Identitäten, zur Macht der Geste und zu unhinterfragten Annahmen rund um Ungleichheiten der Geschlechter und Rassen ein.

 

Die Rauminstallation, die Syms für die Secession konzipiert hat, setzt sich aus einer skulpturalen Intervention, einer Soundinstallation und einer Fotocollage zusammen, die sich auf unterschiedliche Weise auf Simpson’s Record Shop in Detroit beziehen. Syms’ neueste Arbeit nimmt das Lebenswerk von Dorothy Simpson als Ausgangspunkt, geleitet von ihrem eigenen Interesse an von Schwarzen geführten Unternehmen, in deren Geschichte sich wechselseitige Abhängigkeiten, aber auch das Streben nach Selbstbestimmung widerspiegeln. Boon ist eine Hommage an den kulturellen, sozialen und ökonomischen Gestaltungswillen von Simpson, die von 1966 bis 2018 den Plattenladen führte, der über Jahrzehnte Treffpunkt und Begegnungsstätte für die lokale Gemeinschaft war.

 

Die Fotocollage am Boden setzt sich aus Schnappschüssen aus Simpson’s Record Shop zusammen. Die vielen Familienfotos darunter, die überall an den Wänden hingen, zeugen vom familiären Charakter des Geschäfts und seiner Verankerung im lokalen sozialen Gefüge. Die Installation aus grünem Schaumstoff stellt die fantasievolle und abstrahierte Rekonstruktion einer Wand des Geschäfts dar: Der Schaumstoff verweist auf die Schalldämmung in Tonstudios und Proberäumen und stellt so den Bezug her zu den Orten, an denen Musik produziert wird. Mit dem Titel Boon – der mit Segen oder Wohltat übersetzt werden kann – beschreibt Syms ihre Auffassung von Audiophilie als Form von Liebe, die Menschen, Orte und Kulturen verbindet und die für sie eine Form des Sprechens durch Zuhören ist. 

 

Unsichtbar, aber von spürbarer physischer Qualität ist die Soundinstallation aus kraftvollen, dynamischen Solos der aus Detroit stammenden Drummerin Gayelynn McKinney, die von Syms bearbeitet wurden.

 

Syms’ Interesse an Detroit als traditionsreichem Zentrum afroamerikanischer Kultur und schwarzen Lebens ist so vielschichtig wie ihre Arbeiten, die sich durch die Verschränkung von Fiktion und (autobiografischen) Fakten zu hybriden Erzählungen auszeichnen. Detroit war nicht nur Heimstätte des legendären Plattenlabels Motown und der Ursprung von Techno-Musik. Die von der Autoindustrie geprägte Stadt liegt auch auf der Achse der „Great Migration“, der Wanderungsbewegung rund sechs Millionen Schwarzer von den agrarisch strukturierten Südstaaten in den industriellen Nordosten, Mittleren Westen und Westen im 20. Jahr­hun­dert. Mit dem Niedergang der produzierenden Industrie in Amerika hat sich Detroit zuletzt erneut dramatisch verändert: Schwarzenviertel leiden unter wachsender Entvölkerung, während in anderen Teilen der Stadt Gentrifizierungsprozesse eingesetzt haben. Syms greift mit der Arbeit auch ihre eigene Familiengeschichte auf.




Künstler*innen
Martine Syms

geboren 1988 in Los Angeles, lebt und arbeitet in Los Angeles.

Programmiert vom Vorstand der Secession


Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07