Lili Dujourie
Lili Dujouries künstlerisches Schaffen hat sich seit den späten 1960er Jahren in der Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen Bild, Material und Wahrnehmung kontinuierlich weiterentwickelt. Verweise auf kunsthistorische Traditionen, Literatur und kulturelles Gedächtnis tauchen als veränderte Fragmente auf, die eher in das Material eingebettet sind, als dass sie explizit dargestellt werden. Ausgehend von Objekten, die auf die entpersonalisierte Sprache der Minimal- und Konzeptkunst reagierten, führte ihr frühes Werk Fragen von Intimität und Subjektivität in strenge Formenvokabulare ein. Diese anfängliche Spannung legte die Grundlage für ein Schaffen, das medienspezifische Grenzen konstant überwindet.
In den 1970er- und 1980er-Jahren beschäftigte Dujourie sich mit Fotografie und Video, wobei die zeitliche Dynamik dieser Medien – insbesondere das Wechselspiel von Bewegung und Stille – in den Mittelpunkt rückte. Die daraus entstandenen Arbeiten gingen zudem Fragen zu Geschlecht, Identität und Repräsentation nach. Ab den 1980er Jahren kehrte sie zunehmend zu dreidimensionalen Formen zurück und entwickelte eine ganz eigene skulpturale Sprache, die auf der Verwendung von Materialien wie Samt, Marmor, Gips und Metall beruhte. Diese Arbeiten führen die zeitlichen und wahrnehmungsbezogenen Anliegen ihrer früheren Praxis fort und entwickeln sie räumlich weiter. Drapierte Stoffe, verschleierte Volumina und fragmentierte Strukturen inszenieren eine Aushandlung zwischen Weichheit und Starrheit, Verhüllung und Enthüllung. Das Motiv der Falte wird zentral – nicht als rein formale Geste, sondern als Weg, widerstreitende Zustände zusammenzuhalten, ohne sie aufzulösen.
Künstler*innen
wurde 1941 in Roeselare, Belgien, geboren und lebt in Gent, Belgien.