El Anatsui
El Anatsui arbeitet vorwiegend mit regionalen Materialien, um tektonische Formen von großer Komplexität zu schaffen, die sich zwischen Objekt, Oberfläche und Umgebung bewegen. Er verwandelt alltägliche Wegwerfgegenstände – Verschlüsse von Spirituosenflaschen, Druckplatten, Maniok-Reiben – sowie Ton und Holz, um die Definitionen der Bildhauerei neu zu erfinden. Im Mittelpunkt seiner Arbeitsethik steht die Auseinandersetzung mit den Prozessen des Wiederverwertens und der Wiederverwendung. Anatsui, der vor allem für seine Metallskulpturen bekannt ist, bei denen er Tausende von Flaschenverschlüssen schneidet, zerkleinert, faltet und mit Kupferdraht verbindet, hat eine unverwechselbare Formensprache entwickelt, die zugleich akribisch und bewusst offen gestaltet ist. Seine Kunstwerke bleiben flexibel und reagieren auf Ort und Zeit, wobei sie bei jeder Installation neue Konfigurationen annehmen. So hält seine Praxis eine Spannung zwischen Monumentalität und Zartheit, Schwere und Fluidität aufrecht.
Anatsuis künstlerischer Ansatz, der formale Experimente und historische Reflexion miteinander verwebt, ist untrennbar mit den in den Materialien verankerten Geschichten verbunden. So tragen beispielsweise die Flaschenverschlüsse, die aus lokalen Recyclingsystemen stammen, sichtbare Spuren der durch den Kolonialismus geprägten globalen Handelsnetzwerke. Aus der Ferne erscheinen seine Werke als opulente abstrakte Felder aus Farbe und Licht; aus der Nähe offenbaren ihre Bestandteile das soziale Leben von Waren und deren geografischen und zeitlichen Zirkulation. Indem er die Transformation – von Materialien, Bedeutungen und Geschichten – in den Vordergrund rückt, lässt Anatsui lokale und globale Erzählungen zusammenfließen. So bleibt die Vergangenheit in zeitgenössischen Formen präsent.
Künstler*innen
wurde 1944 in Anyako, Ghana, geboren und lebt in Nsukka, Nigeria, und Tema, Ghana.