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Diana Al-Hadid
The Fates
11.9. – 2.11.2014

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Diana Al-Hadid, The Fates, Installationsansicht, Secession 2014, Foto: Oliver Ottenschläger

Diana Al-Hadids Skulpturen, Zeichnungen und Wandbilder verbinden Figuration und Abstraktion. Ihre Arbeiten entstehen aus einer Fülle an Materialien – von Stahl und Fiberglas bis hin zu Blattgold und Pigmenten – und umspannen verschiedene Zeiten, indem sie auf historische Vorlagen Bezug nehmen und diese in ihre architektonische Struktur aufnehmen.

 

In der Secession zeigt Diana Al-Hadid ihre jüngste Werkgruppe The Fates [Die Parzen], die aus großformatigen Skulpturen und zwei Wandbildern besteht. Als Inspirationsquelle dienen Al-Hadid Plastiken der klassischen Antike sowie die europäische Malerei, insbesondere jene der frühen Renaissance nördlich der Alpen. Ihre dreidimensionalen Interpretationen greifen sowohl deren architektonische Strukturen und Kompositionen, die auf einfachen geometrischen Formen beruhen, als auch landschaftliche und figurative Motive dieser Meisterwerke auf. Dabei bedient sich die Künstlerin auf experimentelle Weise traditioneller skulpturaler Praktiken. Zu ihren wiederkehrenden Methoden zählen Verschiebungen zwischen der zweiten und dritten Dimension ebenso wie das Spiel mit Größenrelationen und das Ausloten der Schwerkraft bis hin zu deren scheinbarer Auflösung. So befindet sich die zentral im Raum positionierte Skulptur, Phantom Limb [Phantomschmerz] (2014), in einer Art Schwebezustand zwischen Aufbau und Verfall. Die zugleich treppenförmig aufsteigenden und sich auflösenden Plattformen bilden eine fragile Balance: Alles erscheint frei schwebend und im Fluss.

 

Diana Al-Hadids Arbeiten resultieren aus einem offenen künstlerischen Prozess. Ihre Überarbeitungen und Umgestaltungen oszillieren gezielt zwischen der historischen Vorlage und einer darüber hinausgehenden Neufassung:
„Diese Referenzen bleiben nicht immer völlig unversehrt, manchmal verliere ich die Spur sogar ganz, aber eine kleine Geste bleibt zurück. (…) Bei der Arbeit ausgehend von diesen Gemälden habe ich gelernt, dass es so wenig braucht, um eine Figur oder eine Szene anzudeuten, so sehr sind wir etwa mit der Neigung von Marias Hals vertraut. Dann wieder ist die Szene verschleiert und nichts bleibt als einige verblasste Bögen einer architektonischen Anlage, die einmal detailreich und vielfältig belebt war. Mich interessiert, unter wie viel ‚Druck’ man ein Bild setzen kann, bevor es anfängt, seinen Ursprung zu vergessen.“ (Diana Al-Hadid)

 

Beispielhaft für diesen Ansatz sind in der Ausstellung die zwei freistehenden und von beiden Seiten zu betrachtenden Wandbilder, Still Life with Gold [Stillleben mit Gold] (2014) und Sleep Walker [Schlafwandler] (2014). Das Motiv des ersten Bildes, eine Frau die in einem Berg festsitzt, geht zurück auf Hans Memlings Gemälde Allegorie der Keuschheit (1475), während die architektonische Struktur des Berges an Pieter Bruegels Turmbau zu Babel (1563) erinnert. Das zweite Panel ist als Gegenstück hierzu konzipiert und basiert auf einem antiken Relief einer voranschreitenden Frau, die um 1900 als Gradiva identifiziert wurde.

 

Gradiva, die „Frau, die durch Wände geht“, ist eine Erfindung des Romanciers Wilhelm Jensen (Gradiva: Ein pompejanisches Phantasiestück, 1903) – eine Romanfigur, die durch Sigmund Freuds Analyse der Novelle (Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva, 1907) berühmt wurde und später den Surrealisten als Muse galt. Das nach ihr benannte Relief wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Fragmenten, die über verschiedene Museen verstreut waren, rekonstruiert und befindet sich heute in der Sammlung des Vatikanischen Chiaramonti Museums in Rom.

 

Diana Al-Hadid hat mit Gradiva eine mythologische Figur der Moderne gewählt, deren Geschichte durch verschiedene Phasen des Erinnerns, Vergessens und wiederholten Neu-Erfindens gekennzeichnet ist und die sich zugleich als Metapher für ihren künstlerischen Ansatz lesen lässt. Schicht um Schicht gestaltet Al-Hadid ihre Motive um und neu, so dass sich in den verschiedenen Lagen Zeit abbildet – ein Zusammenhang, auf den auch der Titel der Werkgruppe hinweist, symbolisieren doch die Parzen als Schicksalsgöttinnen die Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit.




Künstler*innen
Diana Al-Hadid

geboren 1981 in Aleppo (Syrien), aufgewachsen in Ohio (USA), lebt und arbeitet in New York.

Programmiert vom Vorstand der Secession

Kuratiert von
Annette Südbeck (Secession)

Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07