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Bernhard Leitner

SOUNDSPACESCULPTURE
11.9. – 22.11.2026
Bernhard Leitner, SOUNDSPACESCULPTURE, Ausstellungsansicht, Secession 2026. Foto: Iris Ranzinger

Bernhard Leitner, SOUNDSPACESCULPTURE, Ausstellungsansicht, Secession 2026. Foto: Iris Ranzinger

„Meine Arbeiten sind Instrumente, um Raum mittels Ton zu schaffen und zu verändern. Sie erlauben und bedingen jeweils bestimmte Ton-Bewegungen, eine bestimmte Art, Raum zu definieren. Wie verschiedene Stücke für ein konventionelles Ton-Instrument geschrieben werden, so können verschiedene räumliche Programme und Ton-Programme für jedes TON: RAUM-Instrument geschaffen werden.“ (Bernhard Leitner, New York 1977)

Seit mehr als fünf Jahrzehnten widmet sich Bernhard Leitner der Idee, mit Ton – seiner Bewegung, Frequenz, Klangfarbe und Lautstärke – skulptural Raum zu formen und zu gestalten. Bereits ab 1969, mit der Übersiedlung von Wien nach New York, wo er bis 1982 leben sollte, hielt er erste theoretische Überlegungen zu Ton-Raum-Skulpturen in Zeichnungen und Notizen fest. Hier begann der ausgebildete Architekt, dessen Denken ebenso von Neuer Musik wie von klassischem und zeitgenössischem Tanz sowie bildender Kunst beeinflusst ist, Ton als Baumaterial zu begreifen. 

In seiner großen Einzelausstellung SOUNDSPACESCULPTURE präsentiert Bernhard Leitner eine neue großformatige Arbeit, die er für diesen Anlass entwickelt hat, im Kontext einiger ausgewählter Arbeiten. Die Schau bietet somit die Möglichkeit, sich mit Leitners künstlerischem Schaffen und wichtigsten Forschungsfragen auseinanderzusetzen und seine skulpturalen Klangarchitekturen oder klanglichen Raumzeichnungen nicht nur akustisch, sondern ganzheitlich körperlich zu erhören. Als Pionier der Sound Art hat Leitner nachfolgende Generationen von Künstler*innen nachhaltig geprägt. Diese Ausstellung spannt einen weiten Bogen von frühen theoretischen Untersuchungen in Skizzen, Fotografien und Grafiken über bedeutende Werke zur Idee des „Körper Hörens“ bis zu einer neu für die Secession geschaffenen Arbeit – Wasser Würfel / Wand Wellen (2026). Die der Arbeit zugrunde liegende Idee lässt sich mit dem schon 1969 entworfenen Soundcube verknüpfen – ein damals rein theoretisches Modell eines mit multiplen Lautsprechern ausgestatteten Kubus. Bereits in diesen frühen Zeichnungen skizzierte Leitner Möglichkeiten, Klang räumlich zu organisieren. Viele der damals formulierten Ideen – Ton-Linien, horizontale und vertikale, pendelnde, sich wölbende, führende Klang-Bewegungen – bilden bis heute ein Vokabular, das der Künstler kontinuierlich weiterentwickelt. 

Im Wasser Würfel durchwandern Wassergeräusche präzise choreografiert ein Lautsprechersystem, das innerhalb eines monumentalen Raumwürfels an PVC-Schläuchen befestigt ist. In dieser 48-Kanal-Ton-Raum-Komposition werden in wechselnden Rhythmen kurze wie lange Linien und Wellen im Raum gezeichnet. Mit der geometrischen Form des Würfels reagiert Leitner auf das die Architektur prägende Raster des Ausstellungsraums, das Terrazzoboden, Glasdecke und Kassettentüren gleichermaßen strukturiert. Über dem zentralen Oberlicht sind entlang der Randlinie acht Lautsprecher installiert, mittels derer eine homogene horizontale akustische Fläche kreiert wird, die wiederum von einer vertikalen Klangachse von der Glasdecke bis zum Boden vor dem Wasser Würfel geschnitten wird.

Die in der Secession gezeigte Ton-Liege (Ton-Raum-Komposition von 1975, skulpturale Ausführung 2022) verlagert das Hören unmittelbar auf und in den ruhenden Körper, durch den die Töne zweier Lautsprecher wandern. Diese Arbeit macht unmittelbar erfahrbar, dass wir Klang nicht ausschließlich über das Ohr, sondern mit dem gesamten Körper hören – hier ist es die fließende Bewegung zwischen einer Tonquelle im Brust- und einer im Fußbereich, ein Phänomen, das der Künstler „Körper Hören“ nennt. In Pulsierende Stille 2 (2026) sind drei mal zwei parallel hängende Metallplatten jeweils mit einem Lautsprecher versehen; von diesen gehen tiefe, von außen nicht oder kaum hörbare Frequenzen aus (75-84-92 Hertz), deren basslastige Schwingungen Vibrationen erzeugen, die beim Durchschreiten als pulsierender Raum wahrgenommen werden. Bei Klang-Strahlen (2026) werden aus der Mitte von Parabolschalen ausgehende Klangstrahlen mittels Metallplatten (die Reflektoren) umgelenkt und sind schließlich als „akustische Bilder“ an Wänden wahrnehmbar, wo sich keine Schallquelle befindet. Leitner hat für den Raum von Gustav Klimts Beethovenfries (1902) eine künstlerische Intervention gestaltet, die ähnlich funktioniert. Aus einer hier installierten Parabolschale werden vier spitztönige Ton-Strahlen an die Decke und in den Raum geworfen.

Für seine Arbeiten greift Leitner auf eine über Jahrzehnte gewachsene Klangbibliothek zurück. Diese umfasst Geräusche, gesprochene Sprache und Aufnahmen akustischer Instrumente, die digital bearbeitet werden. Seine Arbeiten wollen keine distanzierte Betrachtung, sondern verlangen körperliche Präsenz. Der Ton umgibt den Körper ebenso, wie er ihn durchdringt. Dadurch wird die vertraute Trennung von Innen und Außen grundsätzlich infrage gestellt; die Frage, wo der Körper endet und der Raum beginnt, bleibt bewusst offen. Leitners Kunst lädt damit dazu ein, Architektur und Skulptur nicht als statische Form, sondern als veränderliches Gefüge zu begreifen, das sich mit jeder Bewegung des Körpers und jedem Klangereignis neu formiert. Oder wie der Künstler es im Gespräch mit der Kuratorin Jeanette Pacher beschreibt:

„Als ich ab 1972/73 die ersten Untersuchungen mit dem Körper gemacht habe, ist mir klar geworden, dass es viel komplexer ist, wenn man von akustischem Raum spricht. Das geht weit über den physikalischen Begriff der Berechnung eines Konzertsaales hinaus. Das ist eine elementare Erfahrung, die wir dauernd machen, uns aber nicht immer bewusst ist. Da fängt die ganze Rätselhaftigkeit und das Wundervolle von Raum und Akustik an: wenn man sie nicht nur physikalisch betrachtet, sondern in der ganzen Komplexität.“

In Kooperation mit Wien Modern 2026 findet am Donnerstag, den 19. November, um 18 Uhr im Rahmen von Leitners Ausstellung ein öffentliches Gespräch zwischen Bernhard Leitner und Stefan Kraus, Kunsthistoriker und ehemaliger Direktor des Kolumba-Museums in Köln, statt.

Unterstützung

Wir danken der Hauptsponsorin der Ausstellung

Die Ausstellung und die begleitende Publikation SOUNDSPACESCULPTURE von Bernhard Leitner werden durch die großzügige Unterstützung von Art Mentor Foundation Lucerne ermöglicht. 




Künstler*innen

Bernhard Leitner

wurde 1938 in Feldkirch, Österreich, geboren und wuchs in Innsbruck auf. Nach seinem Architekturstudium in Wien lebte er mehrere Jahre in Paris, New York und Berlin. Seit Mitte der 1980er-Jahre lebt er in Wien und Gaindorf, Österreich.

Programmiert vom Vorstand der Secession


Kuratiert von

Jeanette Pacher

Vereinigung bildender Künstler*innen Wiener Secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
Tel. +43-1-587 53 07