Secession Podcast Artists: Katherine Hubbard im Gespräch mit Sophie Thun
Die Künstlerinnen Katherine Hubbard und Sophie Thun sprechen darüber, wie Hubbards Werk in der queer-feministischen Kunst verortet ist und sich kritisch mit der Tradition der analogen Fotografie auseinandersetzt. Das Gespräch wurde am 7. Juni 2026 während des Ausstellungsaufbaus aufgezeichnet.
Wie fängt man das innere Erleben eines Menschen ein, dessen Wirklichkeit sich immer weiter von der Außenwelt abkoppelt? Und wie erhält man zu jemandem eine Beziehung aufrecht, der einem zutiefst vertraut ist, sich aber unumkehrbar verändert?
Katherine Hubbard begann ihr fünfjähriges Projekt The Great Room im Jahr 2020, zu Beginn der Covid-19-Pandemie, als sich der Zustand ihrer Mutter, Antonette Berger, zunehmend verschlechterte und die Künstlerin ihre Hauptpflegeperson wurde. Mehrere Monate der Angst und Isolation vergingen, bis bei Berger LATE (limbisch-dominante altersbedingte TDP-43-Enzephalopathie), eine Form der Demenz, diagnostiziert wurde. Hubbard beschreibt diese Diagnose als so nötig wie unzureichend: als eine Geste des Kontrollierens und Klassifizierens, die letztlich daran scheitert, die gelebte, sich ständig verändernde Realität ihrer Mutter zu erfassen. In genau dieser Diskrepanz ist das Projekt angesiedelt. Mehr erfahren
Katherine Hubbard (geb. 1981, Philadelphia, PA) nimmt Analogfotografie als Mimesis an den Körper wahr und untersucht, wie ihre Verfahren eingesetzt werden können, um Gesellschaftspolitik, Geschichte und Narrative zu hinterfragen. In ihren Fotografien steht die Positionierung des Körpers in entscheidender Beziehung zur Verarbeitung von Bildern, eine Begegnung, die hier als zeitbasierte Erfahrung erkundet wird. Hubbards Schreibpraxis bildet den Kern ihrer Performances, die die Formbarkeit des Sehens fruchtbar machen, um eine Politik des Blicks zu entwerfen. Hubbard war 2024 Guggenheim-Stipendiatin für Fotografie und schloss ihr Studium an der Milton Avery Graduate School of the Arts am Bard College 2010 mit einem MFA ab. Sie ist Professorin und Leiterin des MFA-Programms in Fotografie am Pratt Institute, School of Art in Brooklyn, NY.
Zu den Einzelausstellungen von Katherine Hubbard zählen The great room, Company Gallery, New York (2023); Avoid glancing blows, Company Gallery, New York (2020); Katherine Hubbard, Higher Pictures, New York (2018); stages, Baxter St. Camera Club of New York, New York (2017); sowie Bring your own lights, The Kitchen, New York (2016). Ihre Arbeiten wurden außerdem in Gruppenausstellungen gezeigt, darunter Time Management Techniques im Whitney Museum of American Art, New York; Ecstatic Land im Marfa Ballroom, Texas; A Collection of Slow Events bei The Luminary; The Artist’s Museum am Institute of Contemporary Art; sowie Greater New York im MoMA PS1. Hubbards Performances wurden unter anderem in der Chinati Foundation, bei Konstfack, im Metropolitan Museum of Art sowie im Whitney Museum of American Art, New York, präsentiert. Ihre Arbeiten befinden sich zudem in der permanenten Sammlung des Whitney Museum of American Art.
Sophie Thun(*1985, lebt und arbeitet in Wien) arbeitet vor allem mit Techniken der analogen Fotografie, ihren Räumen, Prozessen sowie Produktions- und Ausstellungsbedingungen. Aufgewachsen in Warschau, absolvierte Thun ihr Masterstudium an den Akademien der bildenden Künste in Wien und in Krakau. Thun ist seit 2021 im Vorstand der Secession, wo sie 2020 eine Einzelausstellung hatte; von 2023 bis 2025 ist sie Interims-Professorin der Klasse für Fotografie an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 2026 ist sie Professorin für Künstlerische Fotografie am Institut für Bildende Kunst und Medienkunst der Universität für angewandte Kunst Wien.
Das Dorotheum ist exklusiver Sponsor des Secession-Podcasts.
Programmiert vom Vorstand der Secession
Jingle: Hui Ye mit einem Auszug aus Combat of dreams für Streichquartett und Audio-Feed
(2016, Christine Lavant Quartett) von Alexander J. Eberhard
Schnitt: Paul Macheck
Produktion: Bettina Spörr