Manfred Pernice, sculpturama, Secession 2010, Foto: Oliver Ottenschläger
Der in Berlin lebende und arbeitende deutsche Künstler Manfred Pernice hat die Ausstellung
sculpturama eigens für den Hauptraum der Secession konzipiert. Seine skulpturalen Arbeiten sind aus einfachen, teilweise bemalten oder besprühten Materialien wie Pappe, Spanplatten, Beton, Metall gebaut bzw. zusammengesetzt und durch Texte, Landkarten oder Fotokopien ergänzt. Ausgehend von Beobachtungen der urbanen Umwelt pointiert er deren Unzulänglichkeiten und unterzieht die Ordnungssysteme der Moderne einer fundamentalen Kritik. Seine Arbeiten etablieren dabei ein Wechselspiel zwischen autonomer Form und einem installativen, narrativen und ortsbezogenen Charakter. Sie verhandeln die gute und schlechte Form, Perfektion und Ungenauigkeit, Realismus und Abstraktion.
Manfred Pernice, sculpturama, Secession 2010, Foto: Oliver Ottenschläger
Der Ausstellungstitel,
sculpturama, ist einerseits eine Anspielung auf die panoramaartige, nahezu symmetrische Anordnung der Arbeiten, die den Raum durch Blickachsen und Beziehungsverhältnissen erschließt. Unmittelbar vor den Eingang positioniert Pernice eine architektonische Skulptur, deren Form an den Rohbau einer Autobrücke erinnert. Sie bietet den BetrachterInnen gleich auf zweifache Weise einen Aus- und Überblick: Am Ende der Unterführung, durch die die BesucherInnen geleitet werden, und oben auf der Plattform, zu der sie über einen versteckten seitlichen Treppenaufgang gelangen.
Manfred Pernice, sculpturama, Secession 2010, Foto: Oliver Ottenschläger
Andererseits verweist Manfred Pernice mit dem Titel
sculpturama direkt auf das Thema: Möglichkeiten (und auch die Geschichte) der Skulptur. Ihre grundlegenden Merkmale – Proportionen, Oberflächenstrukturen, Materialeigenschaften, das Verhältnis der Volumen zueinander, aber insbesondere auch das Verhältnis zwischen Skulptur und BetrachterInnen und die damit verbundenen Rezeptionsgewohnheiten - werden wie in einem „Themenpark“ behandelt und gezeigt. Die Frage der Körperlichkeit und ihrer Wahrnehmung etwa, lässt sich beispielhaft an den zwei Skulpturen in der Raummitte,
Kaffee u. Kuchen und
o. T., verdeutlichen. Dadurch, dass sie sich langsam drehen, müssten die BetrachterInnen nicht mehr um das Objekt herum gehen, um es von allen Seiten sehen zu können. Dass sie dies trotz der zunehmenden Bildmacht flacher Medien wahrscheinlich dennoch tun, ist einer alten Gewohnheit geschuldet. Sich dieser scheinbar paradoxen Situation bewusst zu werden, führt zu der Überraschung über das eigentlich Bekannte: Skulptur ist dreidimensional!
Manfred Pernice, sculpturama, Secession 2010, Foto: Oliver Ottenschläger
KURZBIOGRAFIE
Manfred Pernice (geb. 1963 in Hildesheim) studierte an den Kunsthochschulen in Braunschweig und Berlin.
Jüngste Einzelausstellungen (Auswahl): 2010
baldt1, Modern Art Oxford;
Tutti, Kunstverein Salzburg; 2008
Que-Sah, Neues Museum Nürnberg; 2007
Haldensleben..., Museum Ludwig, Köln.
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl): 2010 Sao Paulo Biennale; 2008
Life on Mars. 55th Carnegie International, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh;
2007
Unmonumental: The Object of the 21st Century, New Museum of Contemporary Art, New York;
Y.E.S. (Ü), Skulptur Projekte Münster; 2003
Die Erfindung der Vergangenheit, Pinakothek der Moderne, München 2002
documenta 11, Kassel.
Manfred Pernice lebt und arbeitet in Berlin.
Manfred Pernice, sculpturama, Secession 2010, Foto: Oliver Ottenschläger
KATALOG
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MANFRED PERNICE
sculpturama
196 Seiten, Format: 31x23 cm
Texte: Verena Dengler, Klaus Gölz, Axel Jablonski, Bettina Klein, András Pálffy, Stephan Schmidt-Wulffen, Hemma Schmutz, Annette Südbeck, dt./engl.
Secession 2010, ISBN 978-3-902592-41-5
Vertrieb: Revolver Verlag
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Erhältlich im Shop |
Manfred Pernice, 2010
KÜNSTLERGESPRÄCH
Manfred Pernice im Gespräch mit Roland Kollnitz
Donnerstag, 2. Dezember 2010, 19.00 Uhr
Eine Veranstaltung der
Freunde der Secession
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