Frances Stark, Secession 2008, Foto: Pez Hejduk
Charakteristisch für das Werk von Frances Stark ist ein Ausloten der vielfältigen Wechselbeziehungen von Kunst und Literatur, Bild und Text. Ihre Arbeit an und mit Schrift umfasst sowohl den Bereich der bildenden Kunst wie auch das Schreiben. Wiederholt stellt sie dabei Untersuchungen zum künstlerischen Schaffensprozess und zum kreativen Akt an sich an. In ihren feinteiligen Collagen erzeugt sie Geflechte aus verschiedenen gefundenen und erfundenen Zeichen, Textschnipseln und grafischen Elementen, literarischen Zitaten und autobiografischen Referenzen.
Frances Stark, Secession 2008, Foto: Pez Hejduk
In der Secession präsentiert Frances Stark 22 großformatige Papierarbeiten ihrer jüngsten Werkgruppe A TORMENT OF FOLLIES. Ausgangspunkt für ihre Text-Zeichnungen ist der 1937 erschienene Roman FERDYDURKE des polnischen Schriftstellers Witold Gombrowitz (1904-1969), der die Geschichte von Józio und seinem Kampf gegen die gesellschaftlich definierten Formen des Lebens erzählt. Zu den Hauptmotiven des Romans, die Stark aufgreift, zählen das Maskenspiel des Menschen im Umgang mit anderen ebenso wie das Recht des Individuums auf Unreife und Unbestimmtheit – zwei Eigenschaften, die gegenüber herrschenden Konventionen durchaus ein subversives Potential haben.
Frances Stark, Secession 2008, Foto: Pez Hejduk
In A TORMENT OF FOLLIES entwickelt Stark eine Form der Adaption, die den Prozess des Lesens und Wiederlesens eines Textes mit der Übersetzung in eine andere Sprache verbindet. Über die Auswahl einer kurzen Romansequenz aus FERDYDURKE hinaus nimmt sie die Vorlage als Inspiration für ihre visuellen Umsetzungen und verbindet die integrierten Zitate in ironischer Leichtigkeit mit varieteartigen Tanzfiguren, ornamentalen und materialreichen Verspieltheiten. Die Textfragmente erscheinen als Reflektion auf die künstlerische Praxis: Die quälenden Selbstzweifel, die Ambivalenz zwischen der gefühlten einzigartigen Intensität der eigenen Kreativität und der Unsicherheit, ob diese in ihren Nuancen überhaupt verstanden werden kann, ebenso wie daraus resultierende Gefühle der Abhängigkeit vom Publikum, Ratlosigkeit oder Lächerlichkeit. Durch Motivwahl und Umsetzung erzeugt Stark hierbei ein Vexierspiel zwischen unmittelbaren Gesten und deren Erstarrung in der Pose, Wahrhaftigkeit und maskenhafter Verstellung, Ernst und Clownerie.
Frances Stark, Secession 2008, Foto: Pez Hejduk
Der musikalischen Umsetzung des Librettos in der Oper vergleichbar übersetzt Frances Stark den Text von Gombrowitz in die synästhetische Einheit ihrer Bildsprache. Die Collagen, die ihre formale Spannung aus der Balance zwischen dem reduzierten, aber durchaus verspielten Materialeinsatz und weiten Leerflächen ziehen, zeichnen sich gleichermaßen durch Poesie und Witz aus. Wiederholt löst Stark die stringente dramaturgische Entwicklung auf, um wenige Wörter zu exponieren und Stimmungen wie Gefühlszustände ausführlicher zu entfalten, so dass die Szenen der einzelnen Bilder in ihrer Relation zur Werkgruppe bzw. Ausstellung an Autonomie gewinnen.
Frances Stark, Secession 2008, Foto: Pez Hejduk
Publikation
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FRANCES STARK
96 Seiten, 31 Farbabbildungen,
Text: Martin Prinzhorn,
Secession 2008, ISBN 978-3-902592-11-8,
Vertrieb: Verlag der Buchhandlung Walter König
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Erhältlich im Shop |
Vortrag der Künstlerin: Freitag, 25. 4. 2008, 18 Uhr
Eine Veranstaltung der
Freunde der Secession
FRANCES STARK, geb. 1967 in Newport Beach, Kalifornien, lebt und arbeitet in Los Angeles, Kalifornien.
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2008 greengrassi, London; The Fall of Frances Stark, Culturgest, Lissabon; 2007 The Fall of Frances Stark, Frac Bourgogne, Dijon; The Van Abbemuseum, Eindhoven; 2006 Frances Stark: Structures that Fit my Opening, Marc Foxx, Los Angeles; Structures That Fit My Opening and Others Parts, Considered in Relation To Their Whole, Glassel School of Art, Museum of Fine Arts, Houston; 2005 In and on an Unergonomic Mind, CRG Gallery, New York 2004 Bless This Mess, greengrassi, London; Destroy Date, Daniel Buchholz, Köln.
GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2008 Whitney Biennial, Whitney Museum of American Art, New York; Yes No & Other Options, Art Sheffield 08, Sheffield Contemporary Art Forum; 2007 Learn to Read, Tate Modern, London; Fit to Print, Gagosian Gallery, New York; Romantischer Konzeptualismus, Kunstverein Nürnberg, Bawag Foundation, Wien; If I can’t Dance…, MuHKA, Antwerpen; Blind Date Istanbul, Sabanci Museum, Istanbul; 2006 The Studio, The Hugh Lane Museum, Dublin; Dereconstruction, Barbara Gladstone Gallery, New York; Köln at Metro Pictures, Metro Pictures, New York; 2005 Monuments for the USA, White Columns, New York; 2003 Creeping Revolution 2, Rooseum, Malmö; 2002 Zusammenhänge herstellen, Kunstverein Hamburg; Personal Plans, Kunsthalle Basel; Jim, Jonathan, Kenny, Frances and Sol, Stedelijk Museum Bureau Amsterdam.
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
Die Ausstellung wird unterstützt von:
InterContinental Wien
Für weitere Informationen, Presse-
und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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