Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007
Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007


Wie definieren wir unsere Rolle in der Welt? Diese Frage stellt sich der dänische Künstler Tue Greenfort, der die Menschheit als marginalen Teil eines viel größeren Ganzen begreift und der die Frage des Fortschritts – sei dieser technischer, kultureller oder zwischenmenschlicher Natur – eng mit der Fähigkeit verknüpft, wie wir unsere Position in der Welt um- und neu zu denken vermögen. Greenforts Arbeiten spiegeln sein Interesse an ökologischen wie ökonomischen Fragen wider: Vor dem Hintergrund globaler Zusammenhänge fragt er nach unserem Umgang mit Umwelt- und Artenschutz sowie mit Ressourcen und Nachhaltigkeit in Hinblick auf die Verknappung bestimmter Rohstoffe und stellt diese Themen zum System der Kunst in Bezug.


Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007
Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007


Seine Projekte zeichnen sich durch eine interdisziplinäre Offenheit und eine „wissenschaftliche“ Arbeitsweise mit umfassenden Recherchen aus. Für die Ausstellung MEDUSA in der Secession, der ersten umfassenden Werkschau des Künstlers in Österreich, fokussiert Tue Greenfort auf die komplexen Zusammenhänge von Monokulturalisierung und deren Folgen wie der Verlust von Vielfalt und Lebensräumen – in der Natur ebenso wie im urbanen, öffentlichen Raum. Er nutzt dafür Räume im gesamten Haus, auch solche, die üblicherweise nicht für Ausstellungszwecke vorgesehen sind.


Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007
Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007


Mit der Inszenierung einer Kaviarbar im ehemaligen Café der Secession thematisiert Greenfort die Zusammenhänge zwischen Kaviarhandel – ein äußerst lukratives Geschäft, kostet ein Kilogramm Beluga Kaviar doch bis zu 7.000 Euro – und der existentiellen Gefährdung des Belugastörs. Einer UN-Konvention zum Artenschutz des Belugastörs (Huso Huso) zum Trotz scheint der Wildfang sich jeder Kontrolle zu entziehen – zum Preis des drohenden Verlusts einer der ältesten Arten überhaupt. Diese Entwicklung stellt Greenfort zu einer Vorstellung von Luxus und Wohlstand in Beziehung wie zur Kulturproduktion, nämlich der Idee von Kunst als Luxusgut und Marktwert gegenüber autonomer künstlerischer Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem WWF Österreich und dem Bundesministerium für Finanzen konnte der Künstler vom Zoll beschlagnahmten Kaviar bekommen, der als Readymade präsentiert wird. Eingebettet in eine Narration zur Geschichte des vorindustriellen Störfangs anhand historischer Fotografien wird diese (im doppelten Sinn) schützenswerte Ware zur Schau gestellt.


Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007
Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007


In einem anderen Projekt, das Tue Greenfort speziell für die Secession in Kooperation mit dem Schmetterlingshaus Wien entwickelt hat, rückt der Künstler die Bedrohung von Artenvielfalt als Folge einer strukturellen Veränderung von Lebensräumen durch zunehmende Monokulturen in den Mittelpunkt.


Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007
Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007


Die Performerin Mia Parmas wird in flüchtigen Interventionen den anwesenden BesucherInnen jeweils eine exotische Schmetterlingsart, die vom Aussterben bedroht ist und deshalb im Schmetterlingshaus gezüchtet wird, anhand eines lebenden Exemplars vorstellen. Die Exklusivität der exotischen Arten wird – auch durch seine unauffällige Erscheinung – durch den weit verbreiteten heimischen Kohlweißling konterkariert, der sich perfekt an Monokulturen und somit an zeitgenössische Lebensbedingungen anpassen kann. Präsentiert wird diese Art durch ein in der Tradition naturhistorischer Sammlungen vom Künstler präpariertes Exemplar. Es findet somit eine Umkehrung der üblichen Wertschätzung statt, die über das „Flüchtige“ ebenso künstlerische Repräsentationsformen wie Sammlerwerte hinterfragt.



Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007


Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007
Tue Greenfort, MEDUSA, Secession 2007


TUE GREENFORT, geb.1973 in Holbæk (Dänemark), lebt und arbeitet in Berlin.

EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2007 Johann König, Berlin; 2006 Max Wigram Gallery, London; Arts & Ecology programme, Royal Society of Arts, London; 2005 Betreten des Grundstücks erlaubt, Kunstverein Arnsberg; Als ob wir nicht die Besitzende wären, Palais für Aktuelle Kunst, Glückstadt; Dänische Schweine und andere Märkte, Johann König, Berlin; 2004 Umwelt, Galerie Zero, Mailand; RE PRÄSENTATION, 1822 Forum, Frankfurt am Main; Spediteur Zimmer, Galerie Nicolas Krupp, Basel; 2003 Used and Produced, Schnittraum, Köln; Fresh and Upcoming, Frankfurter Kunstverein; 2002 Out of site, Johann König, Berlin; 2001 The Peripheral Centre, Dontmiss, Frankfurt am Main; 2000 Exchange, in Kooperation mit NIFCA, Städelschule, Frankfurt am Main.

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2007 Skulptur Projekte Münster; Still Life: Art, Ecology and the Politics of Change, Sharjah Biennial 8, United Arab Emirates; RSA, Royal Society for Encouragement of Arts, London; Made in Germany, Sprengel Museum Hannover; Modelle von morgen: Köln, Europäische Kunsthalle, Köln; OEen Group Show, OEen Group, Kopenhagen; Nachvollziehungsangebote, Kunsthalle Exnergasse, Wien; 2006 Momentum, Nordic Festival of contemporary art, Moss; Jagdsalon, Kunstraum Kreuzberg, Berlin; Inaugural Exhibition, Johann König, Berlin; 2005 Lichtkunst aus Kunstlicht, ZKM, Karlsruhe; Threshold, Max Wigram Gallery, London; 2004 L´attitude des autres, SMP, Marseille; Ce qui reste, Galerie du TNB, Rennes, Prisma, Galerie Martin Janda, Wien.


Wir danken Stephen Fried, Schmetterlingshaus, Wien; Christian Kubicek, Institute of Chemical Engineering, TU Wien; Jutta Jahrl, WWF Österreich; Bundesministerium für Finanzen; Naturhistorisches Museum Wien für die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Realisierung der Projekte.


Katalog

TUE GREENFORT

TUE GREENFORT
Medusa
94 Seiten, 21x29,7 cm
Mit einem Essay von Diana Baldon (dt. / engl.), zahlreichen Farbabbildungen und einem vierseitigen Coverposter
Secession 2011, ISBN 978-3-902592-25-5
Vertrieb: Verlag der Buchhandlung Walther König
Erhältlich im Shop


Ausstellungsansichten: Pez Hejduk



Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Karin Jaschke
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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