Kirsten Pieroth, Berliner Pfütze, 2001
Kirsten Pieroth, Berliner Pfütze, 2001


Kirsten Pieroth bedient sich alltäglicher Gegenstände, Situationen oder Abläufe, löst diese aus ihrer ursprünglichen Umgebung heraus und setzt sie in andere Zusammenhänge. Dieser Transfer führt zu einer Irritation in der Deutung der Wahrnehmung: die einzelnen Dinge, die wir in der Regel aufgrund ihrer Form, Funktion oder ihres Gebrauchs identifizieren, bieten uns nicht mehr die ihnen zugesprochene, die gewohnte, Perspektive an, sondern multiplizierte Lesarten, ihnen fremde Verweissysteme und widersinnige Sinnverknüpfungen.


Kirsten Pieroth, Mein Flug über den Ozean, 2002
Kirsten Pieroth, Mein Flug über den Ozean, 2002


Die Ausstellung in der Galerie der Secession bietet erstmalig einen umfassenden Überblick über die Arbeiten der letzten Jahre. Anwesenheit und Abwesenheit, gedankliche und physische Distanzen, die Verbindung zwischen Orten und die Spannung zwischen einer buchstäblichen und abstrakten Zeichenhaftigkeit der Sprache bilden thematische Felder innerhalb der gezeigten Werke.


Kirsten Pieroth, Twenty-seven minutes, 2004 und Dead Ant, 2005
Kirsten Pieroth, Twenty-seven minutes, 2004 und Dead Ant, 2005


Für Short Story (2004) erwarb Kirsten Pieroth beispielsweise eine von Mark Twain signierte Widmung: das Dokument mit den Worten Truly Yours, Mark Twain verwendete die Künstlerin als Fahrschein für eine Kurzstrecke, entwertet durch einen Berliner Fahrkartenautomaten, wie der S-Bahnstempel auf dem Schriftstück belegt. Durch die Juxtaposition zweier konträrer Assoziationsfelder – "Kurzstrecke" und "Kurzgeschichte" – durchkreuzen sich divergierende Raum-Zeit-Logiken.


Kirsten Pieroth, Die Farbe der Meere, 2002 und Postkarten aus Berlin, 2001/2002
Kirsten Pieroth, Die Farbe der Meere, 2002 und Postkarten aus Berlin, 2001/2002


Die Umkehrung eines Hergangs und die Spannung zwischen einer Begebenheit, deren Darstellung und Bezeichnung waren Ausgangspunkt für Mein Flug über den Ozean (2002). Da die Künstlerin nicht persönlich zu einer Ausstellung nach New York reisen konnte, entschied sie sich, die Abwesenheit zum Gegenstand ihrer Ausstellungsbeteiligung zu machen. Mein Flug über den Ozean ist der Titel der deutschen Erstausgabe des Buches von Charles Lindbergh, das von seinem legendären Alleinflug über den Atlantik im Jahr 1927 handelt. Kirsten Pieroth schickte das Buch, verschnürt mit einer Kordel und frankiert mit Briefmarken, per Luftpost den umgekehrten Weg über den Atlantik in die Galerie. Dort ausgestellt erhält nicht nur die Titelgeschichte eine neue Drehung sondern auch der für die zeitgenössische Kunst prägende Begriff der "Ortsspezifität".


Kirsten Pieroth, Postkarten aus Berlin, 2001/2002
Kirsten Pieroth, Postkarten aus Berlin, 2001/2002
  Kirsten Pieroth, Postkarten aus Berlin, 2001/2002, Detail
Detail


Auch Indonesien (2002), eine Karte, die die "größten Inseln Indonesiens in alphabetischer Reihenfolge" zeigt, disloziert erlernte Konventionen, indem sie die orientierungsgebende Logik geografischer Landkarten durch eine Anordnung ersetzt, die eine lineare Abfolge von Wegstrecken vorgibt.


Kirsten Pieroth, Ausstellungsansicht
Kirsten Pieroth, Ausstellungsansicht


Kirsten Pieroth, Indonesien, 2002
Kirsten Pieroth, Indonesien, 2002


PUBLIKATION

Katalog KIRSTEN PIEROTH

40 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen
Secession 2005

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Erhältlich im Shop


KIRSTEN PIEROTH, geboren 1970 in Offenbach/ Main, lebt und arbeitet in Berlin
Einzelausstellungen (Auswahl): 2005 ... kommen Sie doch, kommen Sie. Treten Sie mit mir in dieses Zimmer, Marie! (mit Henrik Olesen), Cubitt, London; 2004 Contemporary Art Gallery, Vancouver; 2003 From the Laboratory of Thomas A. Edison, Portikus, Frankfurt/Main; I regret that a previous engagement prevents me from accepting your kind invitation to dinner at your home, on Thursday evening, September seventeenth, Galerie Klosterfelde, Berlin; 2002 Mellemdækket Projektrum, Charlottenborg Udstillingsbygning, Kopenhagen; There are two temperatures: one outside, one inside, Kirsten Pieroth/Henrik Olesen, Galleria Franco Noero, Turin
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2005 The Need to Document, Kunsthaus Baselland, Basel; 2004 Drafting Deceit, Apexart, New York; Gelegenheit und Reue, Grazer Kunstverein, Graz; Never Never Landscape, c/o Atle Gerhardsen, Berlin; Manifesta 5, Donostia / San Sebastian; Socle du Monde Biennale, Kunstmuseum Herning; 2003 Adorno, Kunstverein Frankfurt/Main; GNS – Global Navigation System, Palais de Tokyo, Paris



Kirsten Pieroth, Ausstellungsansicht
Kirsten Pieroth, Ausstellungsansicht


Kirsten Pieroth, Short Story, 2004
Kirsten Pieroth, Short Story, 2004


In-Situs: Matthias Herrmann



Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank – Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession



EVA SCHLEGEL     BIK VAN DER POL AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2005



Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Tamara Schwarzmayr
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