In einer sich im konstanten Fluss befindlichen Landschaft von Kunst, Kultur und
Politik fühlt sich die Secession auch 2003 ihrem tradierten Auftrag verpflichtet,
aktuelle bildende Kunst einem interessierten Publikum zugänglich zu machen
und eine Sensibilität für die Komplexität zeitgenössischer
Kunstproduktion zu wecken. Besondere Bedeutung kommt den Projekten zu, die Bezug
nehmen auf die spezifischen lokalen kontextuellen und architektonischen Gegebenheiten
in Relation zu internationalen Strömungen. Sind die meisten Arbeiten der
Einzelausstellungen speziell für diesen Anlass geschaffen, so setzen die
beiden Gruppenausstellungen
Fate of Alien Modes und
Junge
Szene 03 auch bereits bestehende Werke in einen von den KuratorInnen geschaffenen
Zusammenhang. Die Besonderheit der Secession, dass alle programmatischen Entscheidungen
von den in den Vorstand gewählten KünstlerInnen (derzeit Sabine Bitter,
Manfred Erjautz, Matthias Herrmann, Michael Hofstätter, Johanna Kandl, Sandrine
von Klot, Willi Kopf, Hans Kupelwieser, Marko Lulic, Dorit Margreiter, Anna Meyer,
Constanze Ruhm, Martin Walde, Heimo Zobernig) getroffen werden, ist sowohl Zeichen
künstlerischer Kompetenz und des Muts zum Experiment als auch Auftrag für
einen weit gefassten Blick auf die Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst.
HANS SCHABUS
27. 2. 27. 4. 2003
Hans Schabus, Astronaut, 2003
Hans Schabus Arbeiten stehen in unmittelbarer Beziehung zu einem räumlichen
Denken und Erleben; oft beziehen sich die Skulpturen und Interventionen direkt
auf das psychische und physische Umfeld des Künstlers, vor allem auf sein
Atelier und das hier zu bearbeitende Material. Der Ort, an dem Kunst entsteht,
wird auf sein Gleichnispotenzial dem Leben gegenüber untersucht. Die Arbeiten
sind als Meditation über den schöpferischen Akt, seinen Anspruch, aber
auch die Differenz gegenüber alltäglichem Tun lesbar. Die sich mit Reisen,
Geschwindigkeit und nicht zielorientierter Bewegung beschäftigenden Filmarbeiten
verweisen auf die Bedeutung einer interdisziplinären Reflexion für die
Kunst, vor allem im Hinblick auf Sprache und ihre Fähigkeit zur (Un-)Sinnstiftung.
Hans Schabus lebt und arbeitet in Wien.
MANFRED WILLMANN
27. 2. 27. 4. 2003
Manfred Willmann, Das Land, 1981-93
Manfred Willmann nimmt in seinen Photoarbeiten eine Mittlerrolle zwischen Vertrautem
und Fremdem, zwischen Nahem und Fernem, Bekanntem und Unbekanntem ein. Sein Interesse
an ländlichen, in materiellem Sinn armen Landschaften und ihren BewohnerInnen
findet eine Entsprechung in eigenwilligen Bildkompositionen, dem rauhen Blitzlicht,
der sehr pointierten Farblichkeit der Photographien. In seinen immer als Serien
angelegten Arbeiten verleiht Willmann dem Dargestellten - sei es Mensch, Natur
oder einer Kombination beider - eine unromantische Aura, der Pathos und Nostalgie
fremd ist. Wie groß die Rolle des Zufalls, des photographischen Glücks,
der Inszenierung in diesen Chroniken sich verlierender Zeit ist, bleibt im Halbdunkel
des Bildrahmens verborgen.
Manfred Willmann lebt und arbeitet in Graz.
FATE OF ALIEN MODES
10. 5. 22. 6. 2003
Nomeda und Gediminas Urbonas, Ruta Remake, 2002
Der kuratorische Ansatz verlagert die Thematik einer Ausstellung "über"
das Kino - als Modell für Methoden zeitgenössischer Kunstpraxis - hin
zu einer Untersuchung des kinematografischen Apparats als eine Form der Ökonomie,
die sich innerhalb unterschiedlicher "Scripts" und Produktionsformate
entfaltet. Filmen und künstlerischen Produktionen werden Beiträge und
Auftragsarbeiten aus Setdesign, Scriptwriting, Filmtheorie, Anthropologie, Architektur
und Psychoanalyse gegenübergestellt. Fate of Alien Modes positioniert sich
als Gegenmodell zu den Camouflagetechniken jener verdunkelten Ausstellungsräume,
die - als "black boxes" und Mini-Kinos verkleidet - Differenz nivellieren.
Die fragile Balance institutioneller Container (von Kino und Kunstraum) wird als
räumliche Erzählung sichtbar, die eine diegetische Welt repräsentiert.
Räumliche Aspekte nehmen auf erzählerische Bezug, so dass eine "Informationsarchitektur"
zwischen Bühnenform, Filmset und Ausstellungsraum entsteht.
Fate of Alien Modes wird von Constanze Ruhm kuratiert.
ECHOPARK + WOLGANG CAPELLARI
http://echopark.free.fr/
25. 26. 6. 2003
Wolfgang Capellari ist in den letzten Jahren mit seinen Musik-Performances, in
denen er Akkordeon und Gesang mit Motiven der bildenden Kunst verbindet, international
aufgetreten. Während der Performances projiziert Capellari unter dem Motto
"Diaprojektion als Schlagzeug" Dia-Serien rhythmisch zur Musik, so dass
die Auftritte auch an den frühen Stummfilm und dessen Live-Klavier-Begleitung
erinnern. Für die Secession erarbeitet Wolfgang Capellari ein gemeinsames
Projekt mit der französischen Musik-Formation EchoparK. EchoparK, Nadia Lichtig
und Bertrand Georges, performen elektronische Musik mit Einschlägen aus dem
80er Jahre Pop-Rock.
Über den Zeitraum von 2 Tagen werden Wolfgang Capellari und EchoparK im Hauptraum
der Secession Konzerte und Performances veranstalten und unterschiedliche Klanginstallationen
und -interventionen präsentieren.
MARY HEILMANN
4. 7. 7. 9. 2003
Mary Heilmann, Side Show Bob, 2001
In der abstrakten Malerei, dem am meisten mythisch aufgeladenen Feld der bildenden
Kunst, nimmt die Arbeit von Mary Heilmann eine Sonderstellung ein. Ihre Auseinandersetzung
mit Farbe, Kombination und Raum innerhalb der Leinwand, aber auch mit der schwergewichtigen
Geschichte des Mediums wird begleitet von einem (autobiografischen) Interesse
an Pop und dessen luftiger Leichtigkeit, der Liebe zu unorthodoxer Farbgebung
und dem Durcheinanderwirbeln visueller Ordnung. Zitiert Heilmann immer wieder
die Fokusierung ihrer Vorgänger auf Reduktion und die Konzentration auf wesentlich
Erscheinendes, so ist ihr eigener malerischer Gestus stark geprägt durch
ihre Ungebundenheit in der Regelung von Farbe und Fläche und ihrer, den eigenen
Rahmen auslotenden Mühelosigkeit im Umgang mit Rhythmus und Komposition.
Mary Heilmann lebt und arbeitet in New York.
MEL ZIEGLER
4. 7. 7. 9. 2003
Mel Ziegler, Come and Go, 1998
Mel Ziegler ist einer der konsequentesten Vertreter des erweiterten In-Situ Begriffs
der 90iger Jahre. In seinen sowohl im Ausstellungsraum als auch im Stadtraum angesiedelten
Projekten untersucht er, wie sich die Gegebenheiten des öffentlichen Lebens
und der soziale Raum in der Architektur und im "Design" von Städten
wiederspiegeln. Im Fokus seiner Arbeit steht dabei die Frage nach den versteckten
historischen und sozialpolitischen Manifestationen von Repräsentation. Um
diese aufzudecken und zu manipulieren, schafft Mel Ziegler mit den unterschiedlichsten
Materialien - historischen Straßenlaternen und Vitrinenmöbeln, aber
auch seiner eigenen Körpertemperatur - komplexe Referenzsysteme in denen
individuelle und kollektive Geschichte aufeinandertreffen.
Mel Ziegler lebt in Austin/Texas.
NORBERT BRUNNER-LIENZ
4. 7. 7. 9. 2003
Norbert Brunner-Lienz, Im Spiegel der Psyche, 2002
Ein charakteristisches Element der Arbeiten von Norbert Brunner-Lienz ist die Auseinandersetzung
mit Sprache. In seinen Audioinstallationen, experimentellen Hörspielen und
Radioaktionen aber auch in seinen Zeichnungen und literarisch-künstlerischen
Texten werden semantische Bedeutungen dekonstruiert und transformiert, so dass
sich das Sprachliche als Muster und räumlich-zeitliche Ausformung artikuliert.
Auf diese Weise entstehen komplexe analytische und zugleich ästhetisch-poetische
Sprach-Bilder, die sowohl neue Beziehungsfelder zwischen Ikon, Index und Symbol
freisetzen als auch Text über das Feld der Linguistik hinaus als bespielbares
und formbares Material und Medium fassen. So formulieren die Arbeiten von Norbert
Brunner-Lienz parallel die identitätsstiftenden und surrealen Qualitäten und
Eigenheiten von Worten und Redewendungen weiter.
Norbert Brunner-Lienz lebt und arbeitet in Innsbruck und Wien.
KONTEXT, FORM, TROJA
18. 9. 16. 11. 2003
Secession, Hauptraum
Junge Szene nennt sich eine Ausstellungsreihe der Secession, die 1983 initiiert
wurde. Seit 1998 profiliert sie sich als internationale Plattform für Projekte
und Arbeiten von jüngeren Kunstschaffenden. Der Ausstellungstitel weckt Erwartungen:
neue Tendenzen aufspüren, kommende Stars präsentieren, einen repräsentativen
Überblick bieten. Im Zentrum der
Aufmerksamkeit stehen jedoch vor allem Werke einer neuen Generation, ihre Denkweisen
und ihre Vorstellungen von Form. Richtungsweisend wird die Tatsache sein, dass
jüngere Künstlerinnen und Künstler Fragen der Repräsentation,
geschichtliche Zusammenhänge und narrative Strukturen über eine künstlerische
Praxis verhandeln, ohne auf die Ansprüche eines autonomen Werkbegriffes zu
verzichten.
Die Junge Szene 2003 wird von Daniel Baumann kuratiert.
BRIAN JUNGEN
18. 9. 16. 11. 2003
Brian Jungen, Shapeshifter, 2000
Seine Installationen und Zeichnungen zählen zu den zentralen künstlerischen
Beiträgen einer Neuformulierung von ethnologischen und kultur-evolutionären
Blickweisen sowie der Bedeutung einer ästhetischen Sprache als Werkzeug einer
Kulturkritik. Internationale Bekanntheit erlangte Jungen mit den Skulpturen "Prototype
for New Understanding", in denen er aus zerlegten Nike Air Jordans zeremonielle
Masken fertigte. Jungen, der der Kultur der Nordwestküstenindianer (First
Nations) angehört, verfolgt hierbei nicht die Reanimation einer marginalisierten
(Bild-)Sprache und Symbolik. Vielmehr zeigen seine Arbeiten Kultur als eine Fusion
von Kulturen, so dass sich der Glaube an eine Authentizität aber auch eine
Vorrangstellung sowohl in bezug auf eine "indianische" als auch eine
dominante westliche Tradition in Frage stellt.
Brian Jungen lebt und arbeitet in Vancouver.
ANDREA GEYER
18. 9. 16. 11. 2003
andrea geyer, A Place To Be, 2003
Insbesondere in den 90er Jahren haben sich die Medien Fotografie und Video erneut
als methodische Werkzeuge für die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen
Phänomenen erwiesen. andrea geyer agiert in dieser konzeptuellen Tradition.
Sie inszeniert in ihren Installationen oftmals soziale Interaktionen oder Navigationen
durch (Stadt)Räume als Orte einer Produktion von Kultur und Quellen unserer
Erfahrungen. Die Arbeiten, in die fiktionale Elemente und theoretische Referenzen,
Interviews sowie breit angelegte Recherchen einfließen, verfolgen dabei
das Interesse, Identitäten nicht als statisch fixierte Bilder, sondern als
bewegliche Konfigurationen zu vermitteln und in diverse sprachliche und visuelle
Kontroll- und Regulierungsmechanismen zu intervenieren.
andrea geyer lebt und arbeitet in New York und Freiburg.
MONICA BONVICINI / SAM DURANT
28. 11. 2003 1. 2. 2004
Monica Bonvicini / Sam Durant, Untitled, 2003
Dieses Ausstellungsprojekt markiert die erste Zusammenarbeit von Monica Bonvicini
und Sam Durant. Bonvicini beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit den meist
männlich besetzten Parametern (und Klischees) von Architektur und ihrer lebensbestimmenden
Bedeutung; in Installationen und Zeichnungen reagiert sie mit Härte und pornographischem
Witz auf den Machismo, der Architektur noch immer umgibt. Sam Durants Arbeit kreist
ebenfalls um Architektur und Kunst, vor allem in Beziehung zu (historischer) Populärkultur;
besonderen Stellenwert nimmt das Denken über Monumente als Erinnerungs- und
Referenzmedium für das Verständnis von Geschichte und Architektur ein.
Beide Künstler vertrauen der Fähigkeit von Kunst zur Veränderung
von Bewusstsein und Realität, idealerweise über die Grenzen des White
Cubes hinaus.
Monica Bonvicini lebt und arbeitet in Berlin.
Sam Durant lebt und arbeitet in Los Angeles.
JOKE ROBAARD
28. 11. 2003 1. 2. 2004
Joke Robaard, Trailer, 2001 (Detail)
Aus dem Interesse die eigene künstlerische Praxis zur Etablierung von Dialogen
und Netzwerken einzusetzen, entwickelt die Künstlerin kleinformatige Faltblätter,
die sie vergrößert in Museen zeigt oder über Magazine distribuiert.
Die Folder-Projekte inszenieren komplexe Panoramen an der Schnittstelle von Kunst,
Architektur, Mode und Design. Dabei stehen die unterschiedlichen Diskurse - im
Gegensatz zur Tradition des Crossovers - als gleichwertige Elemente nebeneinander.
Auch formal platziert Robaard in den Bildstrecken Fotografie, Personen und Text
(inklusive dem Impressum) als eigenständige und zugleich über die Fläche
verbundene Ebenen, um das Zusammenspiel zwischen Individuen, Institutionen, Medien
und Geldgebern als permanenten Prozess zu visualisieren. Darüberhinaus fließen
immer wieder kunsthistorische Referenzen auf Bildgattungen - wie dem Gruppenportrait
- ein.
Joke Robaard lebt und arbeitet in Amsterdam.
STÄNDIGE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES
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