EMANUEL DANESCH / DAVID RYCH
utopia travel
EMANUEL DANESCH / DAVID RYCH, utopia travel, Secession 2001
Seit März 2000 beschäftigen sich Emanuel Danesch und David Rych mit
Videoarbeiten von Kunstschaffenden aus den folgenden zehn Städten: Kairo
/ Beirut / Istanbul / Sofia / Skopje / Belgrad / Sarajewo / Zagreb / Ljubljana
und Wien. Die ausgewählten Filme reflektieren die kulturelle, geographische,
politische und soziale Situation der jeweiligen Städte und ihrer BewohnerInnen.
In einer mobilen Videothek, die in einem Taxi' installiert ist und mit der
die beiden Künstler die Strecke im Herbst 2001 von Kairo nach Wien mit Stopps
in den oben genannten Städten befahren, werden die Arbeiten präsentiert.
Zeitgleich kündigen Plakate in der Secession die jeweiligen Stationen und
Vorführtermine an.
Während ihrer Ausstellung in der Reihe "Das Experiment" vom 17.
bis 27. Mai transferieren Emanuel Danesch und David Rych ihr Projektbüro
in das Grafische Kabinett der Secession. Von hier aus recherchieren sie nach weiterem
Videomaterial, organisieren die Autofahrt von Kairo nach Wien, planen die Präsentationen
in den zehn Städten und informieren die Ausstellungsbesucher über die
Entwicklung von
utopia
travel.
"Mit ihrem Projekt folgen die beiden Künstler Emanuel Danesch und David
Rych der künstlerischen Praxis des Laboratoriums, eines Settings also, bei
dem neben gewissen Strukturvorgaben das Hauptgewicht im Prozess und den dabei
entstehenden Erkenntnissen oder Materialien liegt. Dabei wird das Feld der Kunst
geöffnet, die Künstler stellen gleichsam einen Mix her, an dem VertreterInnen
verschiedener kulturwissenschaftlicher Disziplinen von Anfang an beteiligt sind
und Kunst und Wissenschaft miteinander verschmelzen sollen. Entstehung und die
Reflexion darüber sind untrennbar verbunden. Die Grenzen zwischen Schaffenden
und Konsumierenden, zwischen Kunstwerk und Dokumentation über dieses sollen
dabei weitgehend aufgelöst werden. Das Thema ist sensibel und komplex und
lässt sich kaum aus einer fixen geographischen Perspektive heraus bearbeiten:
Kulturelle Identitäten entlang einer Süd-Nord-Linie, die von Afrika
über den Balkan' nach Wien führt. Ausgangspunkt ist Kairo und
Endpunkt ist Wien, dazwischen eine Reihe von Orten, die jeweils durch einen respektvollen
Blick in den europäischen' Norden und einen despektierlichen Blick
in den afrikanischen'/balkanesischen' Süden aneinander gekettet
sind. Seit Gramsci ist viel über die Projektionen von Norden' und Süden',
von Okzident' und Orient' als kulturelle und sozio-politische Identitätsstifter
geschrieben worden, sind viele Symptome dieser Dichotomien in Kunst und Literatur
analysiert worden. Das Projekt utopia travel geht aber über bloße Analyse
hinaus: Dem Anderen' als kulturellen und politischen Identitätsstifter
setzen die beiden Künstler die Utopie von homogener Gesellschaft, globaler
Kultur und universaler Sprache entgegen. Nicht nur analysieren und reflektieren
wollen sie, sondern mittels der Mobilität ihres Projekts Neues entstehen
lassen, dieses transportieren und so alte Strukturen aufbrechen. Der Kern des
Projekts ist eine dynamische Videothek, die einerseits mit vorgefundenem Material
aus allen Orten arbeitet, andererseits den Prozess des Auswählens und Anschauens
mit inkorporiert und reflektiert. So ist die Arbeit auch ein Kommentar zur Narrativität
des künstlerischen Videos und seiner Verortung zwischen Fiktion und Dokumentation.
Dokumentation über kulturelle Projektion, die aber auch selbst wieder Projektion
werden kann. Ein anderer zentraler Punkt ist die Richtung des Projektes: Die in
der Kunst übliche Perspektive geht immer vom Westen nach Außen, bzw.
befasst sich mit der Rolle des Außen für die Definition westlicher
Kunst. utopia travel startet in Kairo, das entstehende Wissen wird Richtung Europa
transportiert, daher ist zu hoffen, dass hier etwas ankommt, das nicht von einem
westlichen Autonomiebegriff determiniert ist und so vielleicht einen alternativen
ortsungebundenen Polylog eröffnen könnte. Nicht die Reise in den Orient
einfach nachvollziehen, sondern das Ziel zum Ausgangspunkt zu machen. Was wiederum
nicht heißt, dass das hier Angekommene die Basis hiesiger Kunst nicht neu
definieren kann."
(Martin Prinzhorn)
BIOGRAFIEN
EMANUEL DANESCH, geboren 1976 in Innsbruck, lebt und arbeitet in
Wien
1994-1998 Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien
Seit 1998 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien (Renée
Green)
DAVID RYCH, geboren 1975 in Innsbruck, lebt und arbeitet in Wien
1993/94 Architekturstudium an der Technischen Universität in Innsbruck
1994/95 Kunstgeschichtestudium an der Universität in Innsbruck
Seit 1998 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien (Renée
Green)
1999/2000 Stipendium an der Bezalel University Jerusalem, Israel
PUBLIKATION
 |
DAS EXPERIMENT
3
Danesch/Rych
6 Seiten
Texte: Emanuel Danesch, Matthias Herrmann, Martin Prinzhorn, David Rych
___________________
Erhältlich im
Shop |
Für die freundliche Unterstützung der Ausstellung danken wir:
Erste Bank - Partner der
Secession
GlaxoSmithKline -
Sponsor der Secession
Bundeskanzleramt Kunst
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
Die Ausstellungsreihe wird unterstützt von
Wiener
Städtische
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