













DIANA THATER
27. 1. 19. 3. 2000
Diana Thater, Delphine, 1999
Diana Thater setzt sich in ihrer Arbeit mit dem Themenkomplex domestizierter Natur
auseinander, dabei bezieht sie sich stets auf die Tierwelt. In ihren Installationen
legt die Videokünstlerin radikal die technologische Konstruktion von Fiktion
frei. Der Begriff des physischen Ortes im realen Raum, den sie auch immer als
Ort ideologischer Debatte auffasst, wird verschränkt mit der Analyse des
klassischen Bildraumes, der sich in multiplen Perspektiven auflöst. Die zentrale
Frage handelt davon, inwieweit Kunstproduktion an der Domestizierung der Begriffe
mitarbeitet und wieviel sie dieser zivilisatorischen Leistung wieder entgegensetzt.
Indem sie sich mit der Geschichte von Natur nicht als Natur-, sondern als Sozialgeschichte
beschäftigt, verweist sie darauf, dass Natur jederzeit ein kulturell vermittelter
Begriff ist.
Diana Thater, geboren 1962, lebt und arbeitet in Los Angeles.
MUNTEAN/ROSENBLUM
27. 1. 19. 3. 2000

Muntean/Rosenblum, Why Honey?, 1999
Die Arbeiten des Wiener Künstlerduos Muntean/Rosenblum sind medial wie methodisch
an tradierten Gattungsgrenzen interessiert, indem sie diese verschieben, überschreiten
und/oder auflösen. Ihre Installationen, die unterschiedliche Medien wie Skulptur,
Malerei, Musik oder Fotografie verknüpfen, sind konzipiert als Teil von Tableaux
Vivants und bleiben als Relikte der jeweiligen Performance zurück. Die Ästhetik
dieser Environments ist der Alltags- und Populärkultur entlehnt, wie ihre
Bildgeschichten selbst von Träumen, Gefühlen und Sehnsüchten junger
Menschen am Ende der neunziger Jahre erzählen. Ihre multimedialen Projekte
werfen auf unterschiedlichen Ebenen Fragen nach der Befindlichkeit des Individuums
unserer Gegenwart auf.
Markus Muntean und Adi Rosenblum arbeiten seit 1992 zusammen und leben in Wien.
MERLIN CARPENTER
30. 3. 21. 5. 2000
Merlin Carpenter, Survivors, 1999
Mit seinen Gemälden dringt der britische Künstler Merlin Carpenter in
das komplexe Beziehungsgeflecht von Kunst- und Warenwelt ein. Er richtet seine
Aufmerksamkeit darauf, welche ästhetischen Konsequenzen einerseits die Grenzziehung
zwischen Kunst und Ware und andererseits eine Überschreitung dieser Grenze
hat. Carpenters Interesse gilt der Demystifikation der Malerei; er insistiert,
dass sie auf formaler Ebene vollständig lesbar sei und dass diese formale
Ebene allerdings für den Inhalt von Bedeutung wäre: sie entscheide,
ob überhaupt etwas auf dem Bild wäre. In dieser Entmystifikation liegt
eine Perspektive von Carpenters Kunst: Statt die Erforschung und den Ausbau von
Metaebenen zu betreiben, schlägt er vor, doch das Experiment Malerei fortzusetzen
und die Ergebnisse abzuwarten.
Merlin Carpenter, geboren 1967, lebt und arbeitet in London.
GREGOR SCHNEIDER
30. 3. 21. 5. 2000
Gregor Schneider, Haus ur, Mönchengladbach-Rheydt,
1985-1999
Schneiders Eingriffe in die Substanz des unauffälligen Hauses ur in Rheydt
sind oberflächlich kaum bemerkbar. Besucher können eine Folge von Räumen
betreten ohne mehr wahrzunehmen als das mehr oder weniger spartanische Interieur
und diffuses Licht hinter Vorhängen, in denen ein leichter Wind spielt. Tatsächlich
steht das Fenster etwas offen, doch dahinter bläst ein fast lautloser Ventilator,
statt der Sonne leuchten Neonröhren und der Blick geht nicht ins Freie, sondern
auf die fensterlose Wand eines unzugänglichen Raumes. In den Schichtungen
der Wände, Böden, Decken und Fenster hat sich Geschichte sedimentiert,
die nur noch um den Preis ihrer Zerstörung rekonstruierbar ist, ohne dass
sie deswegen verschwunden wäre. In der Secession wird Gregor Schneider einen
Kellerraum des Hauses ur aufbauen.
Gregor Schneider, geboren 1969, lebt und arbeitet in Rheydt (D).
ANITA LEISZ
1. 6. 23. 7. 2000
Anita Leisz, Installation, 1999
Anita Leisz isoliert in ihren Projekten einzelne Text- oder Bildzeichen und untersucht
deren narrative Zusammenhänge und Semiotiken. Mit ihren Bild-Text-Systemen
bespielt Leisz unterschiedliche Medien und Räume. Ihre Zeichen gliedern die
Wände von Galerieräumen, sie verfremdeten öffentliche Werbeflächen
und wurden in Buchform publiziert. Mit "Den Rest" erfand sich Leisz 1995 einen
fiktiven Kommunikationspartner, dessen Leben Thema ihrer Bildgeschichten wurde.
In jüngerer Zeit verzichtet Leisz auf bildliche Darstellungen der
Text inszeniert als Spur die "Anwesenheit eines eigentlich Abwesenden". Das Fiktive
mit dem Realen gleichsetzend lässt Leisz an die Stelle eines reduzierten
künstlerischen Illusionismus die Imagination des Besuchers treten.
Anita Leisz, geboren 1973, lebt und arbeitet in Wien.
FLORIAN PUMHÖSL
1. 6. 23. 7. 2000

Florian Pumhösl, Covering the Room, 1998
Florian Pumhösl leistet in raumbildenden Installationen Rekonstruktionsarbeit
über Entstehungsbedingungen einer meist verklärten Moderne. Waren vorangegangene
Projekte beispielsweise alternativen, als "utopisch" bezeichneten Design- und
Architekturentwürfen oder der Ästhetik politischer Ausstellungen gewidmet,
so handeln die Projekte, an denen Pumhösl momentan arbeitet, von lokalen
und topografischen Einschnitten, die der Transfer von Infrastruktur in nicht industrialisierte
Gebiete mit sich brachte. Hier steht eine Motivik zur Diskussion, die Emanzipation
und Verweigerung als Teil von Modernisierungsprozessen ausweist.
Florian Pumhösl, geboren 1971, lebt und arbeitet in Wien.
MARK WALLINGER
3. 8. 24. 9. 2000

Mark Wallinger, Oxymoron, 1997
Mark Wallingers oft zitierte "Britishness" wird sowohl in seinen Themen als auch
in seiner Herangehensweise an diese offenbar. Mit Ironie und Kritikfähigkeit
analysiert er die Traditionen und das Wertesystem der britischen Gesellschaft
und legt Anachronismen gesellschaftlicher Strukturen offen. Dabei nimmt die Welt
des Sportes allem voran Fußball und Pferderennen einen thematischen
Schwerpunkt in seinem Werk ein. Häufig greift der Künstler auf tradierte
Kompositionsformeln der Malerei zurück, um diese mit neuen Inhalten aufzuladen.
Wallinger bedient sich einer Vielzahl von Medien, die von Malerei über Fotografie
und Video bis zu Skulptur und Installation reichen und je nach Werkzyklus in unterschiedlichen
Kombinationen auftreten.
Mark Wallinger wurde 1959 in Chigwell, Großbritannien, geboren und lebt
und arbeitet in London.
RITA McBRIDE
3. 8. 24. 9. 2000

Rita McBride, Toyota, 1990
Rita McBride siedelt ihre Arbeiten zwischen den Bereichen Architektur, Skulptur
und Design an. Dabei kommt den verwendeten Materialien besondere Bedeutung zu:
McBride knüpft Kühltürme, Autos und Feuerleitern aus Weiden, stellt
Topfpflanzen und Sessel aus Glas her und gießt Parkgaragen in Miniaturform
aus Bronze. Diese Verfremdungen stellen den Prozess der Massenproduktion und in
Verbindung damit unsere eingespielten Wahrnehmungsgewohnheiten in Frage. Zudem
führen ihre verkleinerten Modelle architektonischer Strukturen die verdeckte
Perfektion urbaner Architektur vor Augen. An diesen interessieren die Künstlerin
auch die soziologischen Konsequenzen, die von bestimmten Architekturformen ausgelöst
werden. Für die Secession befasst sich McBride mit dem unmittelbaren Umraum
des Gebäudes, indem sie dessen Inselcharakter herausstreicht.
Rita McBride, geboren 1960, lebt und arbeitet in New York.
MIRJAM KUITENBROUWER
3. 8. 24. 9. 2000

Mirjam Kuitenbrouwer, Auge (convex), 1999
Mirjam Kuitenbrouwer verdichtet in ihren Collagen aus Malerei, Fotos, Zeichnungen,
Klebeband und Schrift unterschiedliche Perspektiven und Blickwinkel in einem Innenraum
zu einem räumlichen Kontinuum. Dahinter steht das Bestreben, den gesehenen
und den empfundenen, aber vom Gesichtsfeld ausgeschlossenen Raum zu einer Synthese
zu bringen. Kuitenbrouwers Interieurentwürfe und perspektivische Experimente
stellen zugleich eine Reflexion über das Medium Fotografie dar, was sich
durch die Analogie von Camera Obscura und Innenraum ergibt. In ihren jüngsten
Arbeiten setzt die Künstlerin ihre räumlichen Konzepte dreidimensional
um und schafft utopisch bis surreal wirkende Landschafts- und Architekturmodelle.
Mirjam Kuitenbrouwer, geboren 1967, lebt und arbeitet in Arnhem, Niederlande.
DOUG AITKEN
18. 10 23. 11. 2000

Doug Aitken, Diamond Sea, 1997
Doug Aitkens Videoinstallationen beschäftigen sich mit dem Zusammenhang zwischen
Natur- und Kulturbegriff. Aitken betreibt archäologische Studien in einer
Medienlandschaft der absoluten Gegenwart. Dabei schafft er visuelle und räumliche
Ensembles aus Film, Video, Sound und Architektur, indem er Konventionen des einen
Mediums z.B. den Videoschnitt in ein anderes verlegt: die den Schnitt
im Raum real auflösende Architektur. Aitken macht Natur- und Stadtlandschaften,
deren verborgene Erzählungen er untersucht, zu Protagonisten seines Werks.
Aitkens Landschaften sind niemals "natürlich", sondern gezeichnet von sozialen
und zivilisatorischen Bewegungen, geformt von technologischen und politischen
Zusammenhängen. So werden sie zu Metaphern für das Verhältnis von
Natur und Technik, von landscape und mediascape.
Doug Aitken, geboren 1968, lebt und arbeitet in New York und Los Angeles.
AA BRONSON
5. 10 26. 11. 2000

AA Bronson, Felix, June 5, 1994, 1999
AA Bronson greift in seiner Arbeit vielfach auf Erfahrungen zurück, die er
als Mitglied der Künstlergruppe General Idea gemacht hat; einerseits sind
das die Erfahrungen, die 25 Jahre gemeinsame künstlerische Praxis mit sich
brachten, andererseits die durch und mit dem Tod der beiden anderen Mitglieder
von General Idea 1994 entstandenen Verschiebungen der persönlichen und professionellen
Realität. Generell unter Verschluss gehaltene Gedanken, Erlebnisse und Erfahrungen
werden im öffentlichen Raum (der Kunst) thematisiert und ausgestellt. Was
einst als Tabu galt (das Private), wird mit der Ikonographie des 20. Jahrhunderts
(dem Öffentlichen) verwoben um so eine neue Sicht auf das Selbst zu schaffen.
AA Bronson wurde 1946 geboren und lebt in Toronto und New York.
WALTER OBHOLZER
7. 12. 2000 21. 1. 2001

Walter Obholzer, Dumpling 7, 1998
Der Dialog zwischen abstrakten Bildmöglichkeiten und dem Ornament spielt
in Obholzers Malerei ebenso eine Rolle wie das Be-deuten von Räumen und Orten.
Obholzer thematisiert das Gestaltungsmittel Ornament als historische und soziologische
Information, als Transportmittel von Ausdruck und Formvokabular einer Gesellschaft.
Seine Formsysteme verkehren dabei die tradierte Idee der ornamentalen Wandgestaltung,
indem er sie nicht direkt den Wänden appliziert, sondern auf Aluminiumtafeln
mobil werden lässt. Seine Malerei wird nach ihrem "innigen Flirt" (Markus
Brüderlin) mit der Wand von dieser wieder getrennt und wechselt dabei von
einem "dekorativen Rahmenthema" in die Perspektive eines "gerahmten Bildthemas".
Walter Obholzer, geboren 1953, lebt und arbeitet in Wien.
STÄNDIGE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES
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