Kendell Geers, Secession, 1999, Foto: Christian Wachter
Kendell Geers Texte, Objekte, Installationen, Aktionen und Videoarbeiten hinterfragen
kritisch das Verhältnis von Ethik und Ästhetik und scheinen mit dem
politischen Engagement des in Johannesburg/Südafrika geborenen Künstlers
eng verbunden zu sein.
Kendell Geers, Secession, 1999, Foto: Christian Wachter
Die Literatur beschreibt Geers als "Aesthetic Terrorist" oder als "South African
Anarchist", und tatsächlich ist die künstlerische Praxis Kendell Geers
in den Kontext der südafrikanischen Gesellschaft eingeschrieben. In einer
Dialektik, gekennzeichnet durch die Erfahrungen der europäischen und amerikanischen
Moderne und durch die politische Realität Südafrikas, sind Kendell Geers
Arbeiten von der Einfachheit der Mittel und der Gewalttätigkeit ihres Inhaltes
bestimmt. So zeigt etwa die Arbeit "Withheld/Shoot" von 1998/99 einen Loop von
verschiedenen Situationen, in denen eine Waffe auf einen Menschen gerichtet und
dieser erschossen wird. Kendell Geers verwendete für diese Arbeit, die er
entweder in Form eines Labyrinthes aus 15 Monitoren oder in Gegenüberstellung
von zwei Videoprojektionen zeigt, Ausschnitte aus Filmen der 80er und 90er Jahre,
darunter "Terminator", "A Bullet in the Head" oder "Scarface". Die Arbeit installiert
Geers in einer Weise, daß der Betrachter die Position des Opfers einnimmt.
Auch die nahezu unerträgliche Lautstärke der Schüsse, die mit Techno
Rhythmen zusätzlich verstärkt wurde, richten sich unmittelbar an den
Betrachter.
Kendell Geers, Mandela Mask, 1996
Kendell Geers weist mit dieser Arbeit auf die Banalisierung von Bildern der Gewalt
durch die Massenmedien hin. In Zusammenhang mit seinen anderen Arbeiten werden
jedoch auch Themen deutlich, die die menschliche Vorstellungskraft zerstörenden
Ängste und Begierden beschreiben und im Zusammenhang mit dem Alltag des durch
Apartheit bestimmten Südafrikas stehen.
Für seine Ausstellung in der Secession konzipiert Kendell Geers zwei neue
Videoarbeiten; bezugnehmend auf den Beethovenfries von Gustav Klimt und unter
Verwendung von existierendem Filmmaterial behandeln sie die Thematik der Bildhaftigkeit
und der Beobachtung.
Sein Geburtsdatum hat Kendell Geers im Rahmen einer Performance in der Biennale
in Venedig (1993) auf Mai 1968 geändert. 1968 ist das Jahr der Studentenrevolten,
das Todesjahr von Marcel Duchamp und das Erscheinungsjahr von "La Société
du Spectacle" von Guy Debord, das für die südafrikanische Gesellschaft
zu einem Schlüsselwerk wurde.
PUBLIKATION
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KENDELL
GEERS
24 Seiten, 14 Farbabbildungen, 10 s/w-Abildungen
Texte: Matthias Herrmann, Christine Macel
Secession 1999, ISBN 3-901926-13-5
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Erhältlich im
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